Die EU-Kommission hat das geplante Verbrenner-Aus ab 2035 gelockert – doch Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) ist das nicht genug. Während die Autoindustrie erleichtert aufatmet, hagelt es Kritik von Umweltorganisationen und Oppositionsparteien.
EU-Pläne: 90 Prozent statt 100 Prozent CO2-Reduktion
Die EU-Kommission hat beschlossen, dass Autobauer ab 2035 ihre CO2-Emissionen nicht mehr vollständig auf null senken müssen. Stattdessen reicht eine Reduktion um 90 Prozent. Das bedeutet: Verbrenner und Hybridfahrzeuge bleiben erlaubt, solange sie die neuen Grenzwerte einhalten. Auch CO2-Einsparungen durch grünen Stahl oder Biokraftstoffe können angerechnet werden. Laut der „Tagesschau“ sollen kleine Elektroautos „Made in Europe“ besonders gefördert werden, um die europäische Autoindustrie zu stärken.
Stocker: „Technologieneutralität statt ideologischer Verbote“
Kanzler Stocker begrüßt die Lockerung, fordert jedoch weitergehende Maßnahmen. „Wir müssen offen für technologische Neuerungen sein, anstatt uns ideologische Verbote aufzuerlegen“, erklärte er gegenüber der APA. Er plädiert für einen „Lifecycle-Ansatz“, der den gesamten Lebenszyklus eines Produkts berücksichtigt. „Wettbewerbsfähigkeit und Klimaziele müssen Hand in Hand gehen“, so Stocker.
Kritik aus allen Lagern
Die Reaktionen auf die EU-Pläne sind gespalten. Während die österreichische Automobilindustrie die Entscheidung als „notwendigen Schritt“ feiert, sprechen Umweltorganisationen wie der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) von einem „Rückschritt“. Der SPÖ-Delegationsleiter Andreas Schieder kritisierte die EU-Kommission scharf: „Mit Vollgas in Richtung Klimacrash!“ Auch die Grünen und NEOS sehen die Lockerung als „Angriff auf die europäische Industrie“ und „Verrat an den Klimazielen“.
Autoindustrie atmet auf
Günther Kerle, Sprecher der österreichischen Automobilimporteure, sieht in der 90-Prozent-Regelung eine „Atempause“ für die Branche. „Strikte Verbote bringen nichts“, betonte er. Ähnlich äußerte sich Roland Prettner vom Fachverband der Fahrzeugindustrie, der die Entscheidung als „Muss“ bezeichnete, um die Konkurrenzfähigkeit Europas zu sichern.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die Lockerung des Verbrenner-Verbots könnte die Elektromobilität in Europa bremsen, warnen Experten. Laut dem SWR könnte der Umstieg auf E-Fuels und Hybridfahrzeuge die Energiewende verteuern und verzögern. Dennoch bleibt die Frage offen, ob die neuen Regelungen tatsächlich die gewünschte Planungssicherheit für die Autoindustrie schaffen.
Quellen: oe24.at, Tagesschau, ZDF, SWR, exxpress.at, Kurier
Credits: APA
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