Am Flughafen Wien kommt es zu Veränderungen im Angebot der Billigfluggesellschaften. Nachdem Wizz Air den vollständigen Rückzug aus Wien angekündigt hat, reduziert nun auch Ryanair seine Präsenz vor Ort. Für Passagiere bedeutet dies eine geringere Auswahl an Direktflügen und mittelfristig steigende Ticketpreise. Als Hauptgründe werden gestiegene Steuern und höhere Gebühren genannt.
Ryanair kritisiert Standortbedingungen
Ryanair-Geschäftsführer Michael O’Leary äußerte sich auf einer Pressekonferenz kritisch über die Rahmenbedingungen am Standort Wien. Wie Der Standard berichtet, bezeichnete er insbesondere die österreichische Luftverkehrssteuer von zwölf Euro pro Person sowie die Flughafengebühren in Wien als Belastung für sein Unternehmen. In der Folge verlegt Ryanair laut eigenen Angaben drei von 19 in Wien stationierten Flugzeugen nach Bratislava, wo die betrieblichen Abgaben niedriger sind. Mehrere Flugverbindungen sollen eingestellt bzw. reduziert werden. Weitere Anpassungen im Sommer wurden in Aussicht gestellt. Laut O’Leary ist bei einem verringerten Sitzplatzangebot im Winter mit höheren Preisen zu rechnen.
Einschätzung des Flughafenmanagements
Julian Jäger, Vorstand des Flughafens Wien, bewertete die Entscheidung der Airlines in einem Interview mit dem ORF-Radio. Er bezeichnete die Entwicklung als unerfreulich, wies aber darauf hin, dass aktuell die Passagierzahlen am Flughafen auf Rekordniveau liegen. Wie airliners.de berichtet, plant der Flughafen zudem eine Senkung seiner Gebühren, die ab dem nächsten Jahr um bis zu fünf Prozent sinken sollen. Im Vergleich zu südeuropäischen Standorten sei das Preisniveau höher, was nach Angaben von Jäger jedoch mit einem umfassenderen Serviceangebot begründet wird. Die Luftverkehrssteuer sieht auch Jäger kritisch und bezeichnete sie als wettbewerbsnachteiligen Faktor, für den eine politische Diskussion notwendig sei.
Marktumfeld und branchenspezifische Entwicklung
Die aktuelle Entwicklung ist das Resultat eines dynamischen Wettbewerbsumfelds, das seit der Insolvenz der Air-Berlin-Tochter Niki im Jahr 2018 von mehreren Billigfluggesellschaften geprägt war. Laut Der Standard versuchten Wizz Air und Ryanair, in den vergangenen Jahren Marktanteile durch aggressive Preiskämpfe zu gewinnen. Niedrige Ticketpreise führten jedoch in der Branche zu finanziellen Belastungen, sodass sich Wizz Air letztlich für einen Rückzug aus Wien entschied.
Luftfahrtexperten schätzen die Gesamtnachfrage nach Wien weiterhin als hoch ein. Die Austrian Airlines hat als Reaktion auf die Lücken angekündigt, zwei zusätzliche Flugzeuge in Wien zu stationieren. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der bisherige Preisdruck durch die Billigairlines abnehmen wird und sich dies künftig in den Tarifen widerspiegeln dürfte.
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