Fünf Tage vor der ungarischen Parlamentswahl reiste US-Vizepräsident JD Vance nach Budapest — und ließ dabei kaum einen Zweifel daran, wen er in diesem Rennen favorisiert.
Politisches Signal mit Ansage
Der Besuch war keine diplomatische Routine. Wie Reuters und das Handelsblatt berichten, trat Vance am Dienstag gemeinsam mit Ministerpräsident Viktor Orbán vor die Presse und bezeichnete die Vorgänge im ungarischen Wahlkampf als eines der schlimmsten Beispiele ausländischer Wahleinmischung, die er je erlebt habe. Der Adressat dieser Kritik war klar: die Europäische Union.
Ganze Straßenzüge Budapests waren während des Besuchs abgesperrt, ebenso die Zufahrtswege zum Flughafen. Orbáns Außenminister Péter Szijjártó empfing Vance und seine Frau Usha persönlich am Flughafen und sprach, wie die Berliner Zeitung berichtet, von einem „neuen goldenen Zeitalter“ in den US-ungarischen Beziehungen.
„Sie hassen diesen Mann“
Vances Auftritt auf der gemeinsamen Pressekonferenz war scharf formuliert. Wie Euronews und die NZZ berichten, warf er den „Bürokraten in Brüssel“ vor, alles in ihrer Macht Stehende getan zu haben, um das ungarische Volk kleinzuhalten. Im Wortlaut: Die EU habe versucht, Ungarns Wirtschaft zu zerstören, das Land in der Energieversorgung abhängiger zu machen und die Preise für ungarische Konsumenten in die Höhe zu treiben — und das alles, weil sie Orbán hassten.
Orbán selbst habe laut Vance bewiesen, dass eine souveräne Energiepolitik funktioniere. Wären andere europäische Regierungschefs seinem Beispiel gefolgt, würde Europa heute nicht in einer Energiekrise stecken, so der US-Vizepräsident. Er lobte Orbán als einen der wenigen echten Staatsmänner Europas und bezeichnete ihn als Vorbild für den Kontinent.
Orbán vor schwieriger Wahl — Umfragen sehen Opposition vorn
Der demonstrative Schulterschluss kommt nicht von ungefähr. Wie die Berliner Zeitung und die Wirtschaftswoche berichten, steht Orbán am Sonntag vor der härtesten Wahl seiner politischen Karriere. Seit 2010 hat er vier Parlamentswahlen in Folge gewonnen — doch erstmals liegt die Opposition in den Umfragen vorn. Herausforderer Péter Magyar tritt mit seiner Mitte-Rechts-Partei Tisza an und liegt in unabhängigen Erhebungen vor Orbáns Fidesz.
Magyar selbst warnte vor dem Vance-Besuch öffentlich vor ausländischer Einmischung. Wie Reuters berichtet, schrieb er auf der Plattform X: „Dies ist unser Land“ — die ungarische Geschichte werde nicht in Washington, Moskau oder Brüssel geschrieben.
Heikle Vorwürfe ohne Belege
Vance erhob bei der Pressekonferenz auch den Vorwurf, dass Elemente des ukrainischen Geheimdienstes versuchten, die Wahl zu beeinflussen. Belege dafür nannte er nicht, wie Euronews festhält. Bemerkenswert: Auf eine Journalistenfrage, ob Selenskyj Orbán bedrohe, antwortete Vance laut der taz knapp, ihm sei das nicht bekannt — eine deutliche Distanzierung von Orbáns zentraler Erzählung einer existenziellen ukrainischen Bedrohung.
Gleichzeitig wurde just am Tag des Besuchs, wie die NZZ berichtet, aus einem Bloomberg-Protokoll zitiert, wonach Orbán im Oktober 2025 in engem Austausch mit Russlands Präsident Wladimir Putin stand.
Ölgeschäft als Begleitmusik
Abseits der Rhetorik gab es auch ein handfestes Geschäft: Wie Bloomberg und die Berliner Zeitung berichten, unterzeichnete Ungarn während Vances Besuch ein Abkommen über den Kauf von Rohöl aus den USA — ein symbolisch aufgeladener Deal kurz vor dem Wahlsonntag.
Auf die Frage, ob Washington auch mit einem anderen Wahlsieger zusammenarbeiten würde, antwortete Vance schlicht: „Natürlich.“
Credits: APA
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