Van der Bellen ruft zu „Europa-Patriotismus“ auf — und spricht Klartext über Souveränität

Van der Bellen ruft zu „Europa-Patriotismus“ auf — und spricht Klartext über Souveränität

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat zum Europatag eine ungewöhnlich konkrete Rede gehalten. Sein Plädoyer: Europa muss souveräner werden — in Energie, Digitales und Verteidigung. Und es beginnt damit, Europa wirklich zu lieben.

„A bissel fad“ — aber das ist gut so

Den Einstieg wählte Van der Bellen mit Wiener Charme. Es sei im Grunde gut, dass die EU „a bissel fad“ sei, erklärte er laut Tiroler Tageszeitung am Stephansplatz — denn dieser Umstand zeuge von Stabilität. „Es ist gut, wenn unsere Wirtschaft auf verlässlichen, berechenbaren, vorhersagbaren Grundlagen beruht. Denn nur so ist Wohlstand möglich.“ Dennoch sei das seit 76 Jahren geeinte Europa noch immer „aufregend“ und „eine einzigartige Zivilisationsleistung“, die weltweit beneidet werde.

Souveränität in drei Bereichen — Energie, Digital, Verteidigung

Der Kern seiner Rede war sachpolitischer als bei früheren Europatag-Auftritten. Van der Bellen nannte drei Bereiche, in denen Europa dringend unabhängiger werden müsse: Energieversorgung, digitale Welt und Verteidigungsfähigkeit. „Wir müssen alles tun, um unabhängiger von der Willkür fremder Regierungen zu werden“, sagte er laut Tiroler Tageszeitung. Besonders betonte er die Notwendigkeit, Regeln für digitale Großkonzerne wie Google oder OpenAI auf europäischer Ebene zu schaffen — ein Hinweis auf die wachsende Abhängigkeit von US-amerikanischen Technologieplattformen.

„Europa-Patriotismus“ als Appell

Van der Bellen rief zu einem aktiven „Europa-Patriotismus“ auf — nicht als nationalstaatlichem Reflex, sondern als Bekenntnis zu gemeinsamen Werten: Rechtsstaat, Gleichberechtigung, liberale Demokratie, Interessensausgleich und Armutsbekämpfung. Er warnte vor Nationalismen und davor, „Mauern gegenüber Fremdem aufzubauen“. Sein Leitmotiv: „Wenn wir für Europa da sind, wird Europa auch für uns da sein.“ Und der Abschlusssatz: „Das vereinte Europa ist die beste Idee, die wir je hatten.“

Warum der 9. Mai gefeiert wird

Der Europatag erinnert an den 9. Mai 1950, als der damalige französische Außenminister Robert Schuman seine Vision einer neuen Form europäischer Zusammenarbeit präsentierte. Ein Jahr später gründeten Deutschland, Frankreich und vier weitere Staaten die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl — den Vorläufer der heutigen EU, die heute 27 Mitgliedsstaaten umfasst.

Credits: APA

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