Im US-Bundesstaat Alabama wurde erstmals ein verurteilter Mörder mit reinem Stickstoff hingerichtet. Menschenrechtler und die Vereinten Nationen sind entsetzt und sprechen von einer grausamen, unerprobten Methode, die an Folter grenzt. Der Fall sorgt für hitzige Debatten über die Todesstrafe.
Im Süden der USA wurde ein düsteres neues Kapitel in der Geschichte der Todesstrafe aufgeschlagen. Geoffrey West, ein 50-jähriger Mann, der wegen des Mordes an einer 33-Jährigen bei einem Tankstellenüberfall verurteilt wurde, starb am Donnerstagabend in Alabama, wie oe24.at berichtet. Doch es war keine gewöhnliche Hinrichtung. West war der erste Mensch, der durch die sogenannte Stickstoffhypoxie getötet wurde. Dabei wird dem Verurteilten über eine Gesichtsmaske reiner Stickstoff zugeführt, was zum Tod durch Sauerstoffmangel führt.
Todeskampf vor den Augen von Zeugen
Die neue Methode, die als Alternative zur Giftspritze eingeführt wurde, weil die dafür nötigen Substanzen immer schwerer zu beschaffen sind, steht massiv in der Kritik. Wie die Tagesschau berichtet, schilderten Augenzeugen einen schockierenden Verlauf. Nach dem Start der Stickstoffzufuhr habe der Verurteilte begonnen, sich zu winden und zu zittern. Minutenlang habe er schwer geatmet, bis die Atemzüge schließlich aussetzten. Ein Vertreter der Strafvollzugsbehörde sprach von erwarteten Zuckungen und abnormaler Atmung, doch für viele Beobachter war es ein qualvoller Todeskampf.
UNO und EU verurteilen Hinrichtung scharf
Schon im Vorfeld hatten Experten der Vereinten Nationen Alarm geschlagen. Sie befürchteten, wie der Deutschlandfunk meldete, dass eine Exekution mit Stickstoff zu einem „schmerzhaften und erniedrigenden Tod“ führen würde. Der UNO-Menschenrechtskommissar Volker Türk äußerte die Befürchtung, dass diese unerprobte Methode „Folter oder einer grausamen, unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung gleichkommen“ könne.
Auch die Europäische Union verurteilte die Hinrichtung scharf. Ein EU-Sprecher bezeichnete die Methode laut Tagesschau als „besonders grausam“. Die internationale Gemeinschaft zeigt sich entsetzt darüber, dass ein Mensch als Versuchskaninchen für eine neue Hinrichtungsmethode herhalten musste.
Justiz von Alabama verteidigt das Vorgehen
Die Justiz in Alabama weist die Kritik vehement zurück. Justizminister Steve Marshall bezeichnete die Methode als „human und effektiv“, wie die Deutsche Welle zitiert. Er sprach davon, dass Alabama „etwas Historisches erreicht“ habe und nun eine Blaupause für andere Staaten biete. Für die Befürworter ist es eine notwendige Weiterentwicklung, um gerichtlich verhängte Todesurteile weiter vollstrecken zu können.
Währenddessen geht die Debatte um die Todesstrafe in den USA weiter. Alle Versuche der Anwälte, die Hinrichtung in letzter Minute zu stoppen, scheiterten vor den höchsten Gerichten. Mit diesem Fall haben die USA nicht nur eine neue, umstrittene Hinrichtungsmethode etabliert, sondern auch die weltweite Diskussion über die Menschlichkeit der Todesstrafe neu entfacht.
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