Fünfzig Jahre nach seiner Promotion sollte der Mathematiker und ÖVP-Wissenschaftssprecher Rudolf Taschner von der Universität Wien ein Goldenes Doktordiplom erhalten. Der Senat stoppte die Ehrung — wegen öffentlicher Aussagen zu Klimawandel, Gender Studies und Förderpolitik. Die Debatte, die das auslöst, geht weit über Taschner hinaus.
Ehrung geplant, Dankesrede vorbereitet — dann die Absage
Das Goldene Doktordiplom wird in Österreich 50 Jahre nach der Promotion an Absolventen verliehen, die herausragende wissenschaftliche Leistungen oder besondere berufliche Verdienste vorweisen. Taschner hätte die Auszeichnung am 13. Mai erhalten sollen — der Termin stand bereits fest, die Dankesrede war laut Berichten schon vorbereitet. Dann stoppte der Universitätssenat die Feier.
Der Vorsitzende des Universitätssenats, Stefan Krammer, erklärte gegenüber der Presse die Entscheidung: Es habe Bedenken wegen Taschners „Äußerungen in Zusammenhang mit Evidenz, Autonomie und Freiheit der Wissenschaft (insbesondere zum Klimawandel, zu Vergaberichtlinien des FWF, zu Gender und Postcolonial Studies)“ gegeben. Ausdrücklich stellte Krammer dabei klar, wie wien.ORF.at und nachrichten.at berichten: „Außer Frage stehen seine besonderen wissenschaftlichen Verdienste im Bereich der Mathematik und seine wichtige Rolle als Wissenschaftsvermittler.“
Was Taschner konkret gesagt hatte
Die Aussagen, die zum Eklat führten, sind keine Neuigkeit. Bereits 2018 bezeichnete Taschner in einem Interview den Klimawandel als „Scheinproblem“ verglichen mit „gravierenderen Problemen wie der Überbevölkerung in Afrika“ und nannte ihn ein „risikoloses, aber ausserordentlich profitables Geschäft“, wie Apollo News und Weltwoche unter Berufung auf den Originaltext berichten. Im vergangenen Jahr kritisierte er die Förderung eines Projekts im Bereich Kunst, Gender Studies und Dekolonisation durch den Österreichischen Wissenschaftsfonds als „verbranntes Geld.“
Wer ist Rudolf Taschner?
Taschner ist kein Randphänomen der österreichischen Wissenschaft. Er ist Träger des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, wurde 2004 zum Wissenschafter des Jahres gekürt, 1999 wurde ein Asteroid nach ihm benannt. Mit seinem math.space im Wiener Museumsquartier und zahlreichen populärwissenschaftlichen Büchern brachte er Mathematik einem breiten Publikum nahe. Seit 2017 ist er Wissenschaftssprecher der ÖVP im Nationalrat.
ÖVP: „Ideologische Zensur“ — Debatte über Wissenschaftsfreiheit
Die politische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti bezeichnete die Entscheidung laut wien.ORF.at als „im Wissenschaftsbetrieb untragbare ideologische Zensur“ und warnte: „Wenn sich Wissenschaft zum Erfüllungsgehilfen von Ideologie macht, verliert sie ihren Wert als objektive und unvoreingenommene Instanz.“
Der Fall wirft eine grundsätzliche Frage auf: Kann eine Universität eine Ehrung für wissenschaftliche Leistungen verweigern, weil der Geehrte in anderen Bereichen unbequeme Meinungen vertritt? Die Satzung der Universität Wien macht die Vergabe des Goldenen Doktordiploms zur Kann-Bestimmung und erfordert die Zustimmung des Senats — formal ist die Entscheidung also gedeckt. Ob sie klug ist, steht auf einem anderen Blatt.
Credits: Von Franz Johann Morgenbesser from Vienna, Austria – Prof. Rudolf Taschner, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40354065
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