1,34 Milliarden Euro für Wiens Kindergärten — und niemand weiß genau, wo das Geld hingeht

1,34 Milliarden Euro für Wiens Kindergärten — und niemand weiß genau, wo das Geld hingeht

Der Wiener Stadtrechnungshof hat die Kostentransparenz bei städtischen Kindergartenplätzen geprüft — und ein ernüchterndes Ergebnis geliefert: Für mehrere Jahre fehlen die nötigen Daten schlicht. Die Reaktionen der Opposition fallen entsprechend scharf aus.

Daten für 2021, 2022 und 2024 fehlen

Die Wiener ÖVP hatte die Prüfung beantragt und sich auf die Jahre 2021 und 2022 bezogen. Wie wien.ORF.at unter Berufung auf den Stadtrechnungshof-Bericht berichtet, lagen der zuständigen MA10 für genau diesen Zeitraum keine verwertbaren Daten vor. Die Prüfer wichen daher auf 2023 und 2024 aus — nur um festzustellen, dass auch für 2024 keine qualifizierten Daten bereitgestellt werden konnten.

Das Ergebnis: Für drei der vier ursprünglich angefragten Jahre fehlen die Grundlagen für eine ordentliche Kostenrechnung — in einer Abteilung, die laut Voranschlag 2026 ein Budget von 1,34 Milliarden Euro verwaltet.

Was ein Kindergartenplatz kostet — und warum städtische teurer sind

Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) hatte in der Vorwoche erstmals eine Kostenaufstellung für das Jahr 2023 präsentiert — nicht zufällig kurz vor Veröffentlichung des Rechnungshofberichts. Laut diesen Zahlen, die laut wien.ORF.at mit den Berechnungen des Stadtrechnungshofs übereinstimmen, kostete ein städtischer Kindergartenplatz 2023 durchschnittlich 13.767 Euro pro Jahr. Private Träger erhielten 9.088 Euro an Förderung — ein Unterschied von fast 5.000 Euro pro Kind.

Die Stadt begründet die Differenz mit mehreren Faktoren: Inklusionsplätze und heilpädagogische Gruppen, die zu 90 Prozent von der Stadt getragen werden, höhere Gehälter gemäß städtischem Schema, mehr Kinder mit Sprachförderbedarf sowie längere Öffnungszeiten und weniger Schließtage gegenüber privaten Trägern.

Stadtrechnungshof empfiehlt Reform — Emmerling kündigt sie an

Der Stadtrechnungshof empfiehlt eine laufende, steuerungsrelevante Kostenrechnung. Emmerling räumte ein, dass eine derartige Aufstellung erstmals für 2023 erstellt werden konnte. Ende 2024 wurde eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit der Evaluierung des Kostenrechnungsmodells beauftragt. Erste Ergebnisse sollen im Herbst 2026 vorliegen und als Basis für eine Reform des Fördersystems dienen.

Opposition sieht Versagen der „Transparenz-Partei“

Die Reaktionen der Opposition ließen nicht lange auf sich warten. ÖVP-Bildungssprecher Harald Zierfuß formulierte seinen Befund gegenüber wien.ORF.at mit unverhohlener Schadenfreude in Richtung NEOS: „Die MA10-Kindergärten haben laut Voranschlag 2026 ein Budget von 1,34 Milliarden und die angebliche Transparenz-Partei NEOS hat keine Ahnung, wohin dieses Geld fließt. Jeder private Kindergarten würde für so eine Pfusch-Kostenaufzeichnung zugesperrt.“

FPÖ-Bildungssprecher Maximilian Krauss legte nach: „Wer es über Jahre hinweg nicht schafft, die Wiener Kindergärten auf wirtschaftlich gesunde Beine zu stellen, hat in diesem Ressort nichts verloren.“ Grünen-Bildungssprecher Felix Stadler bezeichnete es als „absurd“, dass die MA10 für drei von vier angefragten Jahren keine Kostenrechnungen vorlegen kann.

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