Die Bundesregierung will bei Kuren sparen und stationäre Aufenthalte durch ambulante Behandlungen ersetzen. 125 Millionen Euro sollen so bis 2028 eingespart werden. FPÖ-Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak nennt das einen „Anschlag auf die Gesundheit der Österreicher“ — und er ist nicht der Einzige, der skeptisch ist.
Was die Regierung plant
Im Rahmen des Doppelbudgets 2027/28 haben sich ÖVP, SPÖ und NEOS darauf verständigt, das österreichische Kursystem zu reformieren. Kuren sollen künftig „individueller gestaltet“ und ambulante Behandlungen stärker forciert werden, wie oe24 berichtet. 2027 soll das 50 Millionen Euro einsparen, 2028 weitere 75 Millionen. Die Details soll Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) ausarbeiten.
Kaniak: „Mogelpackung“ und „Schildbürgerstreich“
FPÖ-Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak lässt an den Plänen kein gutes Haar. Die Kürzungen seien ein „Anschlag auf die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Österreicher“ und obendrein „kurzsichtig und kontraproduktiv“, wie er laut oe24 erklärt. Sein schärfster Vorwurf: Die Regierung wolle das Pensionsantrittsalter anheben — streiche aber gleichzeitig jene Maßnahmen, die Menschen überhaupt erst in die Lage versetzen, länger gesund im Arbeitsleben zu bleiben. Das nenne er einen „Schildbürgerstreich“.
Die Forcierung ambulanter Kuren bezeichnet Kaniak als „Mogelpackung“: „Ein Patient, der nach einem anstrengenden Arbeitstag zur Therapie hetzt und danach wieder im Alltagsstress versinkt, kann gar nicht den gleichen Regenerations- und Heilerfolg erzielen.“ Stationäre Kuren seien kein Luxus, sondern eine medizinische Notwendigkeit — weil sie Menschen von beruflichem und privatem Druck entlasten und ihnen die nötige Zeit geben.
Experte aus Bad Hofgastein gibt der FPÖ recht
Unterstützung kommt von medizinischer Seite. Der ärztliche Leiter des Kurzentrums Bad Hofgastein, Rudolf Radlmüller, erklärte im Ö1-Morgenjournal, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Kuraufenthalten und der Fähigkeit gibt, länger arbeiten zu können: „Wenn wir das Alter für den Pensionsantritt erhöhen, dann müssen wir den Menschen auch die Möglichkeit geben, es körperlich und psychisch zu schaffen.“ Ambulante Therapien neben der Arbeit seien ein „zusätzlicher Belastungsfaktor“ statt eine Entlastung. Radlmüller verwies auf die Trainingslehre: Nicht nur der Reiz ist entscheidend, sondern auch die Regenerationszeit danach — genau die, die eine stationäre Kur ermöglicht.
Credits: APA
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