Ein massiver politischer Kurswechsel vollzieht sich in Budapest. Ungarns künftiger Regierungschef Péter Magyar bricht radikal mit der bisherigen Russland-Nähe des Landes. Nach seinem fulminanten Wahlsieg nimmt Magyar kein Blatt vor den Mund und richtet scharfe Worte direkt an den Kreml.
Ein sehr kurzes Telefonat
Magyars Wahlsieg, der ihm eine Zweidrittelmehrheit einbrachte, markiert eine völlige Kehrtwende für die Nation. Die Zeiten der gemütlichen Plaudereien zwischen Budapest und Moskau sind offiziell vorbei. Magyar stellte auf einer Marathon-Pressekonferenz unmissverständlich klar, dass er Wladimir Putin nicht von sich aus anrufen wird. Sollte der russische Staatschef jedoch zum Hörer greifen, wird Magyar abheben.
Was er ihm sagen würde? Magyar plant, extrem direkt zu sein. Er würde Putin bitten, so nett zu sein, nach nunmehr vier Jahren endlich das Morden zu stoppen und diesen Krieg zu beenden. Wie die BBC berichtet, fügte Magyar realistisch hinzu, dass es sich wohl um ein sehr kurzes Telefongespräch handeln würde, da er stark bezweifelt, dass Putin den Krieg aufgrund seines Rates tatsächlich beendet.
Alte Verträge werden zerrissen
Die neue Führung belässt es nicht bei Worten, sondern greift sofort bei den Finanzen und internationalen Abkommen durch. Jahrelang pflegte die Vorgängerregierung äußerst umstrittene und enge Vereinbarungen mit dem russischen Energiesektor. Wie VSquare und Reuters zuvor aufdeckten, stimmten sich ehemalige ungarische Amtsträger oft eng mit dem Kreml ab, um EU-Sanktionen zu blockieren.
Diese Ära ist nun beendet. Magyar kündigte eine rigorose Prüfung aller bestehenden Verträge mit Russland an. Der designierte Premierminister ist bereit, diese Deals neu zu verhandeln oder bei Bedarf komplett zu kündigen. Ungarn strebt zwar weiterhin pragmatische Beziehungen an, allerdings nur dann, wenn die finanziellen Bedingungen dem ungarischen Volk nützen und nicht fremden Mächten.
Eisige Reaktion aus Moskau
Der Kreml ist offensichtlich alles andere als begeistert darüber, seinen treuesten Verbündeten in der Europäischen Union zu verlieren. Die Reaktion aus Moskau fiel absolut frostig aus. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow verzichtete nach Magyars Wahltriumph komplett auf die sonst üblichen Glückwünsche. Stattdessen stufte Peskow Ungarn abrupt als „unfreundliches Land“ ein.
Magyar lässt diese kalte Schulter völlig unbeeindruckt. Er richtet seinen Blick fest nach Westen. Laut BBC hat er sich umgehend mit europäischen Spitzenpolitikern vernetzt, darunter EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, und damit bewiesen, dass Ungarns Zukunft fest in Europa verankert ist.
Was ist mit Donald Trump?
Die abgewählte Regierung verließ sich stark auf ihre Freundschaft mit Donald Trump. Magyar wählt auch hier einen deutlich kühleren Ansatz. Magyar sieht aktuell keinen Sinn darin, den amtierenden US-Präsidenten anzurufen. Dennoch bekennt er sich zu einer starken Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten. Wie die BBC berichtet, würde Magyar einen Anruf Trumps jedoch begrüßen und ihn sogar zum kommenden 70. Jahrestag des ungarischen Volksaufstands von 1956 einladen.
Quellen: oe24.at, BBC, VSquare, Reuters
Credits: APA
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