Umfrage: Zwei Drittel glauben nicht mehr an Merz‘ Reformkurs

Umfrage: Zwei Drittel glauben nicht mehr an Merz‘ Reformkurs

Nach den Wahlschlappen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wollte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit dem Versprechen punkten, seinen Reformkurs unbeirrt fortzusetzen. Das aktuelle ZDF-Politbarometer zeigt nun, wie wenig ihm die Deutschen das zutrauen.

Nur 28 Prozent glauben an den Reformkurs

Dass Merz seine Reformen im Großen und Ganzen umsetzen wird, glauben laut Mitteilung des ZDF nur 28 Prozent der Befragten, 67 Prozent bezweifeln es. Selbst in der eigenen Anhängerschaft ist die Zuversicht begrenzt: Unter CDU/CSU-Anhängern äußern sich nur 53 Prozent optimistisch, in allen anderen Wählergruppen überwiegen die Zweifel. Mit Merz‘ Arbeit als Kanzler sind laut oe24 79 Prozent eher unzufrieden. Die Erhebung führte die Forschungsgruppe Wahlen von 22. bis 24. September unter 1.346 Befragten durch.

Reformbedarf ja – nur nicht mit diesem Kanzler?

Das Paradoxe daran: Am grundsätzlichen Reformwillen fehlt es den Deutschen nicht. 85 Prozent halten grundlegende Reformen für wichtig, auch wenn diese mit finanziellen Belastungen und Einschnitten verbunden sind – und zwar mit klaren Mehrheiten in allen Anhängergruppen. Das Misstrauen richtet sich also weniger gegen Reformen an sich als gegen die Fähigkeit der Regierung, sie auch umzusetzen.

Zwei Drittel rechnen mit vorzeitigem Kanzler-Aus

Noch deutlicher fällt eine zweite Frage aus: 65 Prozent glauben nicht, dass Merz bis zur regulären Bundestagswahl im Frühjahr 2029 im Amt bleibt, nur 31 Prozent rechnen damit. Bemerkenswert ist dabei die Zurückhaltung im eigenen Lager: Selbst unter Unionsanhängern erwarten nur 49 Prozent, dass Merz bis 2029 Kanzler bleibt. Das Bild deckt sich mit einer Forsa-Umfrage für RTL von vergangener Woche, in der sich 55 Prozent für einen Rücktritt des Kanzlers aussprachen.

AfD baut Vorsprung aus

Auch in der Projektion – also der Hochrechnung, wie gewählt würde, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre – verliert die Union weiter. CDU und CSU kommen auf 21 Prozent und damit einen Punkt weniger als im August. Die AfD legt um einen Punkt auf 28 Prozent zu und liegt damit sieben Punkte vorne. Die Grünen erreichen 14 Prozent, die SPD 13 Prozent (plus eins), die Linke 12 Prozent, die FDP 3 Prozent. In der reinen „politischen Stimmung“, also den Rohdaten ohne Gewichtung, liegt die AfD mit 23 Prozent ebenfalls vorne, Union und Grüne kommen dort auf jeweils 20 Prozent.

Mehrheit sieht zu wenig gegen hohe Energiepreise

Auch bei einem akuten Alltagsthema stellt die Bevölkerung der Regierung kein gutes Zeugnis aus: 78 Prozent meinen, die Bundesregierung tue zu wenig gegen die steigenden Energiepreise. Den angekündigten Tankrabatt – eine Senkung der Energiesteuer auf Diesel und Benzin um 17 Cent pro Liter – finden 50 Prozent gut, 44 Prozent lehnen ihn ab.

Der Hintergrund: drei Wahlniederlagen in drei Wochen

Die Umfrage folgt auf eine Serie schwerer Niederlagen der CDU: In Sachsen-Anhalt kam die Partei auf 17,2 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern flog sie mit 4,9 Prozent erstmals aus einem Landtag, in Berlin landete sie mit 18,8 Prozent hinter der Linken auf Platz zwei. Merz hat dennoch angekündigt, im Amt zu bleiben und seinen Kurs fortzusetzen.

Credits: Steffen Prößdorf, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=151722057

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