Showdown in der SPÖ: Zeiler macht ernst

Showdown in der SPÖ: Zeiler macht ernst

Seit Wochen wird über ihn spekuliert, jetzt soll Gerhard Zeiler Farbe bekennen. Der frühere ORF-Generaldirektor und internationale Medienmanager will sich laut übereinstimmenden Berichten am Wochenende öffentlich zu einer möglichen Übernahme der SPÖ-Spitze äußern. Für Parteichef Andreas Babler wird die Lage damit noch enger.

Treffen mit Ludwig, Interview am Sonntag

Den Stein ins Rollen brachte ein erneutes Treffen Zeilers mit Wiens Bürgermeister und SPÖ-Landeschef Michael Ludwig, über das der „Kurier“ berichtete. Im Anschluss kündigte der Journalist und langjährige SPÖ-Kenner Peter Pelinka an, Zeiler werde sich am Wochenende „deklarieren“. Ziel sei es, die Partei davon zu überzeugen, dass ein Wechsel eine Chance sei und kein parteiinterner Umsturz. Wie oe24 berichtet, ist für Sonntag ein ausführliches Interview geplant, in dem der 71-Jährige seine Vorstellungen für eine mögliche Übernahme darlegen will. Auch ein neuerliches Treffen mit Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil soll anstehen.

Bereit – aber nur auf Einladung

Ganz ohne Bedingungen will Zeiler den Schritt offenbar nicht setzen. Laut Vertrauten wäre er grundsätzlich bereit, die Partei zu führen, möchte dazu aber offiziell aufgefordert werden. Genau hier liegt laut oe24 die größte Hürde: Bislang hat sich in der SPÖ niemand gefunden, der den organisatorischen Übergang in die Hand nimmt. Das deckt sich mit Zeilers eigener Linie aus dem ORF, wo er zuletzt auf die Frage nach einer Kandidatur mit „Sag niemals nie!“ geantwortet hatte.

Seit Wochen im Hintergrund vorbereitet

Neu ist die Bewegung nicht. Wie die „Kronen Zeitung“ berichtete, soll Zeiler bereits sechs der neun Bundesländer besucht haben, um mit den SPÖ-Landesspitzen einen Wechsel zu besprechen – in seinem Umfeld ist intern von einer „Operation roter Oktober“ die Rede. Zusätzlichen Rückenwind liefern Umfragen: In einer Erhebung von Peter Hajek für ATV gaben 43 Prozent an, eine SPÖ unter Zeiler wäre für sie zumindest eine Option.

Babler unter Druck wie nie

Für den amtierenden Parteichef kommt die Entwicklung zur Unzeit. In der jüngsten Lazarsfeld-Umfrage für oe24 steht die SPÖ bei nur 15 Prozent, knapp über ihrem bisherigen Tiefstwert. Mit Sorge blickt man in der Partei laut oe24 auch auf die Landtagswahl in Oberösterreich, bei der die SPÖ im schlechtesten Fall hinter die Grünen auf Platz vier rutschen könnte. Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim hatte dagegen zuletzt im oe24.TV-Interview garantiert, dass Babler auch im Jänner noch Parteichef und Vizekanzler sein werde.

Marterbauer als Alternative wenig wahrscheinlich

Neben Zeiler war zuletzt auch Finanzminister Markus Marterbauer als möglicher Übergangskandidat für Parteivorsitz oder Vizekanzleramt genannt worden. Eigene Ambitionen des Ministers sind laut oe24 aber nicht belegt.

Ob Zeiler am Wochenende tatsächlich seinen Hut in den Ring wirft – und wer in der SPÖ ihn dann offiziell ruft –, dürfte die Partei in den kommenden Tagen beschäftigen.

Credits: Parlamentsdirektion/​Katie-Aileen Dempsey

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