Die Ampelkoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS müsste bei einer Neuwahl um ihre Mehrheit bangen. Laut der aktuellen Lazarsfeld-Umfrage für oe24 würde die Regierung mit 91 Mandaten genau ein Mandat zu wenig für die parlamentarische Mehrheit erreichen. Die FPÖ bliebe mit großem Abstand stärkste Kraft.
FPÖ weiter unangefochten auf Platz eins
Würde am kommenden Sonntag der Nationalrat neu gewählt, käme die FPÖ auf überwältigende 36 Prozent, wie oe24 berichtet. Das entspricht einem Plus von rund acht Prozentpunkten gegenüber der Nationalratswahl 2024, bei der Herbert Kickls Partei 28,8 Prozent holte. Die Freiheitlichen könnten ihre Mandatszahl von derzeit 57 auf 72 Sitze ausbauen – ein Zugewinn von 15 Mandaten.
Die brandaktuelle Umfrage der Lazarsfeld Gesellschaft wurde vom 19. bis 27. Jänner 2026 unter 2.000 Befragten durchgeführt und weist eine maximale Schwankungsbreite von 2,2 Prozent auf.
Herbe Verluste für die Regierungsparteien
Alle drei Ampelparteien müssten mit deutlichen Verlusten rechnen. Die ÖVP von Bundeskanzler Christian Stocker würde von 26,3 Prozent bei der Wahl auf nur noch 20 Prozent abstürzen – ein Minus von 6,3 Prozentpunkten. Im Nationalrat würde das einen Verlust von 11 Mandaten bedeuten, die Volkspartei käme nur noch auf 40 Sitze.
Die SPÖ unter Vizekanzler Andreas Babler fiele von 21,1 auf 18 Prozent zurück. Die Sozialdemokraten würden 6 Mandate verlieren und kämen auf 36 Sitze. Selbst die Mehrwertsteuersenkung, die Babler als zentrale Maßnahme gegen die Teuerung vorangetrieben hatte, konnte die Werte offenbar nicht verbessern.
Auch die NEOS müssten Federn lassen: Von 9,1 Prozent bei der Wahl würden sie auf 8 Prozent fallen und zwei Mandate verlieren. Die pinke Partei käme nur noch auf 15 Sitze.
Grüne profitieren in der Opposition
Als klare Gewinner einer Neuwahl würden die Grünen aus der Oppositionsrolle hervorgehen. Bei der Wahl 2024 hatten sie nur 8,2 Prozent geholt – nun könnten sie auf 10 Prozent hoffen. Das entspräche einem Zugewinn von vier Mandaten auf insgesamt 20 Sitze.
Ampel verfehlt Mehrheit um ein Mandat
Die entscheidende Rechnung zeigt das Dilemma der Regierung: ÖVP, SPÖ und NEOS kämen zusammen auf nur 91 Mandate. Für eine parlamentarische Mehrheit im 183 Sitze zählenden Nationalrat wären jedoch mindestens 92 Mandate erforderlich. Der Ampel würde damit genau ein Mandat zur Mehrheit fehlen.
Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es allerdings: Laut der Umfrage sind vier Mandate sehr schwach abgesichert. Mit etwas Glück und günstiger Stimmenverteilung könnte die Ampel ihre Mehrheit also theoretisch doch noch halten.
Massive Mandatsverschiebungen im Vergleich zu 2024
Im Vergleich zur Nationalratswahl 2024 würde es zu dramatischen Verschiebungen kommen. Die drei Ampelparteien verlören zusammen 19 Mandate – 11 davon die ÖVP, 6 die SPÖ und 2 die NEOS. Die FPÖ würde 15 Mandate hinzugewinnen, die Grünen 4.
Aktuell verfügt die Ampelkoalition im Nationalrat noch über 110 Mandate und damit über eine komfortable Mehrheit. Diese würde bei einer Neuwahl auf dramatische Weise dahinschmelzen.
Nächste Wahl erst 2029 geplant
Für die amtierende Regierung ist es ein Glück, dass die nächste reguläre Nationalratswahl erst für den Herbst 2029 vorgesehen ist. Bis dahin bleibt der Ampel Zeit, das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen – oder sich auf weitere Verluste einzustellen.
Für die oppositionelle FPÖ wäre eine vorgezogene Neuwahl hingegen ein Wunschszenario: Mit 36 Prozent läge Herbert Kickl deutlich vor den Regierungsparteien und könnte mit 72 Mandaten seine Position als stärkste politische Kraft im Land weiter ausbauen.
Credits: APA
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