Umfrage: Nur noch 41 Prozent der Deutschen für EU-Beitritt der Ukraine

Umfrage: Nur noch 41 Prozent der Deutschen für EU-Beitritt der Ukraine

Kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs wollte eine klare Mehrheit der Deutschen die Ukraine in der EU sehen. Heute ist es eine klare Minderheit. Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, wie stark die Stimmung gekippt ist – in Deutschland stärker als fast überall sonst in Europa.

Von 61 auf 41 Prozent

Wie die Nachrichtenagentur Reuters über die am Dienstag veröffentlichte Umfrage berichtet, befürworteten im Juni 2026 nur noch 41 Prozent der Deutschen einen EU-Beitritt der Ukraine in den kommenden Jahren. Im März 2022, kurz nach Kriegsbeginn, waren es noch 61 Prozent. 59 Prozent lehnen einen Beitritt inzwischen ab. Unter den zehn größten EU-Staaten ist die Zustimmung laut dpa nur in Rumänien mit 40 Prozent noch niedriger. Am offensten zeigt sich Schweden mit 69 Prozent.

Auch EU-weit keine Mehrheit mehr

Deutschland ist mit seiner Skepsis nicht allein. Über alle befragten EU-Länder hinweg sprechen sich 53 Prozent dagegen aus, der Ukraine schon bald die volle Mitgliedschaft zu gewähren, nur 47 Prozent sind dafür. In der Ukraine selbst ist das Bild umgekehrt: 83 Prozent wünschen sich laut der Studie einen Beitritt in den kommenden Jahren. Zwei Drittel der Ukrainer wären bereit, dafür höhere Kosten zu schultern, während fast zwei Drittel der EU-Bürger solche zusätzlichen Belastungen ablehnen.

Das Geld als größte Sorge

Vor allem die Kosten schrecken die Deutschen ab. Nach der größten Herausforderung eines ukrainischen Beitritts gefragt, nennen 36 Prozent die finanzielle Belastung, im EU-Durchschnitt sind es 28 Prozent. Die Bundesbürger liegen damit an der Spitze. Einen politischen Gewinn erwarten nur wenige: 13 Prozent glauben, die EU würde mit der Ukraine international einflussreicher, 12 Prozent rechnen mit einer widerstandsfähigeren Union. Die Sorge ist nicht unbegründet: Allein für den Wiederaufbau wird der Finanzbedarf laut Bertelsmann-Expertin Miriam Kosmehl inzwischen auf mehr als 500 Milliarden Euro geschätzt. “Die prekäre Finanzlage der Ukraine ist eine Herausforderung für die gesamte EU, denn die Stabilität in unserem großen europäischen Nachbarland ist in unserem gemeinsamen Interesse”, sagt sie.

Brüssel hält am Kurs fest

Die Umfrage steht im Kontrast zur Linie der EU-Spitze. Erst am Freitag sagten Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa der Ukraine beim EU-Gipfel weitere Hilfe und die Aussicht auf eine Mitgliedschaft zu. Präsident Wolodymyr Selenskyj bat um 70 Milliarden Euro für das kommende Jahr, um die Finanzlücke seines Landes zu schließen. Die Bertelsmann-Stiftung sieht deshalb die Politik gefordert: Um die Kluft zwischen dem erklärten Ziel einer Aufnahme und der Skepsis in der Bevölkerung zu überbrücken, brauche es einen vertieften Dialog mit den Bürgern.

Auch in Österreich skeptisch

Ähnlich zurückhaltend sind die Österreicher. In der jüngsten Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik lehnten rund sechs von zehn Befragten generell neue EU-Beitritte in den kommenden fünf Jahren ab, nur 28 Prozent waren dafür. Nach der Ukraine im Speziellen wurde dort allerdings nicht gefragt.

Credits: European Union, 2026, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=128375033

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