Der Hitzesommer hat auf Österreichs Feldern und in den Obstgärten tiefe Spuren hinterlassen. Landwirtschaftskammer und Obst- und Gemüsebranche haben Bilanz gezogen: Im Obstbau fehlen rund 30 Prozent der Ernte, beim Gemüse sind es im Schnitt 40 Prozent. Bei einzelnen Kulturen ist sogar die Hälfte weg.
Äpfel: 35 Prozent unter Vorjahr
Besonders hart trifft es Österreichs wichtigste Obstsorte. “In der Steiermark wird mit rund 90.000 Tonnen gerechnet, österreichweit mit etwa 130.000 Tonnen. Damit dürfte die Apfelernte rund 35 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen”, sagt Manfred Kohlfürst, Obmann des Branchenverbands für Obst und Gemüse (ÖBOG) und selbst steirischer Apfelbauer, in einer Aussendung der Landwirtschaftskammer Österreich. Frühe Sorten wie Gala, Elstar oder Arlet schnitten noch schwächer ab, spätere Sorten erholten sich dank der Niederschläge im September etwas. Kurz vor der Ernte kam ein weiterer Schlag dazu: ein starker Befall durch die Marmorierte Baumwanze, die Äpfel und Birnen zusätzlich schädigte.
Kraut und Chinakohl halbiert
Beim Gemüse sind die Zahlen noch drastischer. Unbewässerter Chinakohl in der Steiermark brach um gut 50 Prozent ein, beim Kraut in Oberösterreich ging fast die Hälfte verloren. Zwiebeln und Karotten liegen rund 25 Prozent unter dem Normalwert, Spinat, Grünerbsen und Gewürzkräuter mindestens 30 Prozent. Auch im Glashaus hat die Hitze zugeschlagen. “Besonders der Tomatenanbau wurde dadurch im Juli und August stark beeinträchtigt, was weiterhin nachwirkt”, sagt Kohlfürst laut APA. Ab 30 Grad stellen die Pflanzen ihr Wachstum ein. Gurken, Paprika und Melanzani holten im Herbst teilweise auf.
“Dauerhaft absichern”
Für Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger ist das kein Ausreißer. “Wenn bei einzelnen Kulturen im Schnitt bis zur Hälfte der Ernte fehlt, geht es darum, wie wir die heimische Produktion unter veränderten klimatischen Bedingungen dauerhaft absichern können.” Die Branche fordert gezielte Investitionen in Bewässerung, Wasserspeicher, Hagelschutz, widerstandsfähige Sorten und leistbare Versicherungen. Für die “stark gestiegenen Bewässerungskosten” brauche es zudem “rasche und unbürokratische Unterstützung”. Außerdem verlangen die Bauern wirksamere Pflanzenschutzmittel gegen neue Schädlinge wie die Baumwanze.
Was das für die Preise heißt
Im Supermarkt ist von der Missernte bisher wenig zu spüren. Laut Schnellschätzung der Statistik Austria stiegen die Preise für Lebensmittel im September nur um rund ein Prozent, gedämpft auch durch die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel seit Juli. Weil das Angebot europaweit knapp ist, erzielen die Erzeuger laut Branche vergleichsweise gute Preise. Gleichzeitig sind Energie, Dünger und Bewässerung deutlich teurer geworden. Ob die Bauern diese Kosten weitergeben können, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.
Doppelschlag im Marchfeld
Für viele Gemüsebauern im Osten kommt noch ein Problem dazu. Der belgische Tiefkühlkonzern Ardo schließt nach der heurigen Ernte sein Werk in Groß-Enzersdorf, betroffen sind rund 240 Beschäftigte und etwa 500 bäuerliche Zulieferer. Laut Branche wurde der Herbstanbau von Tiefkühlspinat deshalb bereits eingestellt. Die Politik bemüht sich seit Wochen um eine Lösung, bisher ohne Erfolg.
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