“Ich bin erst 40”: Kurz lässt Comeback offen – und in der ÖVP wird gerechnet

“Ich bin erst 40”: Kurz lässt Comeback offen – und in der ÖVP wird gerechnet

Jahrelang hat Sebastian Kurz eine Rückkehr in die Politik ausgeschlossen. Jetzt klingt das anders. In einem Interview mit dem deutschen “Handelsblatt” lässt der Ex-Kanzler die Tür einen Spalt offen – in einem Moment, in dem seine Partei ohnehin über einen Befreiungsschlag nachdenkt.

“Ein paar Möglichkeiten”

“Ich bin erst 40 und habe noch viele Jahre vor mir. Aber derzeit fühle ich mich sehr wohl mit dem, was ich tue”, sagte Kurz dem “Handelsblatt”, wie die Nachrichtenagentur dts berichtet. Brisant ist ein weiterer Satz: In den vergangenen fünf Jahren habe es “ein paar Möglichkeiten” für einen Wiedereinstieg gegeben. “Ich habe mich bisher immer dagegen entschieden.” Wer ihm diese Möglichkeiten angeboten hat, sagte er nicht. Konkrete Pläne nannte er ebenfalls keine. Die Politik zu verlassen sei zunächst “sehr schwer” gewesen, inzwischen sei er aber “im Reinen”. Ohne das Ende seiner politischen Karriere hätte er weder seine “finanzielle Unabhängigkeit” erreicht noch Erfahrungen als Unternehmer gesammelt.

Vom Kanzleramt zum Tech-Unternehmer

Kurz war 2021 als Bundeskanzler zurückgetreten, nachdem die Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt hatte. Die Vorwürfe nennt er im Interview laut Salzburg24 “falsch und extrem konstruiert”. Heute ist er Mitgründer und Präsident des Cybersicherheitsunternehmens Dream, das im Juni mit rund drei Milliarden Dollar bewertet wurde. Erst diese Woche lud er rund 350 Mitarbeiter zu einer dreitägigen Firmenfeier ans Tote Meer. Für Spekulationen hatte im Sommer bereits ein Treffen mit FPÖ-Chef Herbert Kickl gesorgt, den Kurz 2019 als Innenminister entlassen hatte. Kurz erklärte damals, er treffe sich mit unterschiedlichen Politikern und Weggefährten.

Ein Szenario aus den eigenen Reihen

Wie ein Comeback aussehen könnte, hat Anfang Oktober der frühere ÖVP-Nationalratsabgeordnete Martin Engelberg skizziert. In der ServusTV-Sendung “Links. Rechts. Mitte.” forderte er rasche Neuwahlen und eine “komplette Neuaufstellung der ÖVP”. Laut exxpress beschrieb er dabei auch einen konkreten Ablauf: Kanzler Christian Stocker tritt zurück, die ÖVP stellt sich neu auf, es kommt zu Neuwahlen – mit Kurz an der Spitze. Eine Brandmauer zur FPÖ sieht Engelberg demnach nicht.

Was in der ÖVP diskutiert wird

Dass Kurz’ Name in der Volkspartei kursiert, bestätigen auch andere Berichte. Laut oe24, das sich auf anonyme ÖVP-Insider beruft, träumen manche angesichts schwacher Umfragewerte von einem Comeback des früheren Kanzlers, andere setzen auf Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Laut exxpress ist auch der Name der früheren Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger im Umlauf. Bestätigt hat das niemand offiziell. Der Hintergrund ist die Lage der Partei: In der jüngsten Lazarsfeld-Umfrage liegt die ÖVP bei rund 20 Prozent, die FPÖ bei rund 40.

Stocker sieht sich als Spitzenkandidat

Der amtierende Kanzler hat sich klar festgelegt. Er wolle bei der nächsten regulären Wahl 2029 wieder ÖVP-Spitzenkandidat sein, das habe er “nie offen gelassen”, sagte Stocker vergangene Woche im APA-Interview. Er habe zudem “keine Stimme innerhalb der Volkspartei gehört”, die eine Neuwahl wolle.

Credits: Dragan Tatic, BKA

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