Die Euphorie war nicht von Dauer. Nach dem kurzen Aufschwung, den Bundeskanzler Christian Stocker mit seiner vielbeachteten Neujahrsrede Anfang Februar auslösen konnte, zeigt sich die ÖVP in der aktuellen Lazarsfeld-Umfrage bereits wieder deutlich geschwächt. Wie oe24 berichtet, stürzt die Kanzlerpartei in der Wählergunst auf 21 Prozent ab – ein Minus von drei Prozentpunkten im Vergleich zur Vorwoche.
FPÖ baut Führung weiter aus
Während die Regierungsparteien straucheln, legt die FPÖ wieder zu. Mit 36 Prozent (+1) baut die Partei von Herbert Kickl ihre dominante Spitzenposition weiter aus. Die aktuelle Erhebung, die zwischen dem 2. und 11. Februar 2026 unter 2.000 Befragten durchgeführt wurde, zeigt damit ein vertrautes Bild: Die Freiheitlichen liegen weiterhin mit komfortablem Abstand an der Spitze.
Auch in der fiktiven Kanzlerfrage macht Kickl Boden gut. 34 Prozent (+2) der Befragten würden den FPÖ-Chef direkt ins Kanzleramt wählen – fast dreimal so viele wie Christian Stocker, der lediglich 12 Prozent erreicht.
Kritik an Heeres-Volksbefragung belastet Kanzler
Der plötzliche Absturz der ÖVP dürfte auch mit der kontroversen Ankündigung Stockers zusammenhängen, eine Volksbefragung zum Wehrdienst abhalten zu wollen. Wie der ORF berichtet, hatte der Kanzler bei seinem Neujahrsauftakt Ende Januar verkündet, die Bevölkerung über eine Reform des Bundesheeres und eine mögliche Verlängerung der Wehrpflicht direkt abstimmen zu lassen. Dabei überraschte er allerdings seine eigenen Koalitionspartner SPÖ und NEOS, die sich umgehend zurückhaltend bis skeptisch äußerten.
Die SPÖ verwies auf koalitionsinterne Verhandlungen. „Ob eine Volksbefragung notwendig oder sinnvoll ist, muss gemeinsam auf Regierungsebene besprochen werden“, hieß es laut Salzburg24 aus dem Büro von Vizekanzler Andreas Babler. Auch die NEOS zeigten sich verhalten und pochten auf einen „parlamentarischen Prozess“.
Ampel ohne Mehrheit – KPÖ vor spektakulärem Comeback
Die Rechnung für die Regierung wird zusehends schwieriger. Laut der Lazarsfeld-Umfrage kämen ÖVP, SPÖ und NEOS zusammen nur noch auf 89 Mandate im Nationalrat – drei weniger als die erforderlichen 92 für eine stabile Mehrheit. Während die SPÖ mit 19 Prozent minimal zulegen kann, brechen die NEOS mit 7 Prozent deutlich ein.
Die eigentliche Sensation der Umfrage ist jedoch die KPÖ: Erstmals seit den 1950er Jahren könnten die Kommunisten mit 5 Prozent und voraussichtlich 9 Abgeordneten wieder ins Parlament einziehen. Dieser Einzug würde das politische Gleichgewicht im Nationalrat fundamental verändern und die ohnehin fragile Position der Ampel weiter schwächen.
Strohfeuer statt Trendwende
Was nach Stockers Neujahrsrede noch wie eine mögliche Wende aussah, entpuppt sich nun als klassisches Strohfeuer. Die kurze Phase des Aufschwungs ist bereits verpufft, die strukturellen Probleme der Ampel-Koalition bleiben bestehen. Mit einer FPÖ, die unangefochten an der Spitze thront, und einer Regierung, die nicht nur in den Umfragen, sondern auch bei der Mandatsverteilung um ihre Mehrheit kämpft, stehen der österreichischen Politik turbulente Wochen bevor.
Credits: APA
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