Trump trifft Rutte: NATO-Austrittsdrohung im Weißen Haus

Trump trifft Rutte: NATO-Austrittsdrohung im Weißen Haus

Der Iran-Krieg hat einen alten Konflikt neu entfacht: US-Präsident Donald Trump zieht die Mitgliedschaft der USA in der NATO öffentlich in Zweifel — und empfing NATO-Generalsekretär Mark Rutte für ein Gespräch unter vier Augen, das die Zukunft des Bündnisses bestimmen könnte.

„Den Rücken gekehrt“ — Trumps Vorwurf an die Verbündeten

Noch vor dem Treffen ließ Trump die Botschaft durch seine Sprecherin Karoline Leavitt übermitteln. Wie der Tagesspiegel berichtet, erklärte Leavitt in Washington, die NATO habe den Vereinigten Staaten „in den vergangenen sechs Wochen den Rücken gekehrt“ — eine direkte Anspielung auf den Iran-Krieg, in dem europäische Verbündete Trumps Forderung nach militärischer Unterstützung zur Öffnung der Straße von Hormus weitgehend ignorierten. Die NATO sei getestet worden und habe „versagt“, so Leavitt.

Trump selbst legte nach dem Treffen auf Truth Social nach: Wie Bloomberg berichtet, schrieb der US-Präsident in Großbuchstaben, die NATO sei nicht da gewesen, als man sie gebraucht habe, und werde auch künftig nicht da sein — mit dem Seitenhieb auf Grönland am Ende.

Geheimtreffen im Weißen Haus

Wie heute.at und Stars and Stripes berichten, empfing Trump den NATO-Generalsekretär am Mittwochabend (Ortszeit) hinter verschlossenen Türen im Oval Office. Rutte traf zuvor bereits separat mit Außenminister Marco Rubio zusammen, wobei laut Associated Press der Iran-Krieg, die Ukraine sowie eine stärkere Lastenteilung mit den Verbündeten auf der Agenda standen.

Laut einer NATO-Sprecherin sollten auch die transatlantische Rüstungskooperation und die aktuelle globale Sicherheitslage besprochen werden. Ob und in welchem Umfang ein konkreter NATO-Austritt der USA thematisiert wurde, ließ Rutte im Anschluss offen. Gegenüber CNN bezeichnete er das Gespräch als „sehr offene Diskussion zwischen zwei Freunden“ und bestätigte, Trump sei „eindeutig enttäuscht“ über das Bündnis gewesen.

Europa unter Zugzwang

Der Hintergrund der Krise ist der Iran-Krieg, den die USA und Israel Ende Februar mit Angriffen auf Teheran auslösten. Mehrere europäische Länder — darunter Deutschland, Spanien und Frankreich — verweigerten US-Militärflugzeugen Überflug- und Startrechte. Wie t-online berichtet, erwägen die USA nun Strafmaßnahmen gegen einzelne NATO-Mitglieder, darunter eine mögliche Schließung von Militärstützpunkten — betroffen sein könnten Deutschland und Spanien, etwa die Ramstein Air Base.

Inzwischen deutete Bundeskanzler Friedrich Merz eine Kursänderung an: Wie der Tagesspiegel berichtet, erklärte er nach der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran, Deutschland werde „in geeigneter Weise“ zur freien Schifffahrt in der Hormusstraße beitragen.

Rutte als letzter Vermittler

Rutte gilt in Bündniskreisen als jener Mann, der den Draht zu Trump noch am besten halten kann. Wie Euronews berichtet, steht er vor einer heiklen Aufgabe: Er muss Trump vom Verbleib in der Allianz überzeugen, ohne die Eigenständigkeit der Mitgliedstaaten zu untergraben. Frühere Taktiken — etwa das Durchsetzen höherer Verteidigungsausgaben oder die Rettung von Ukraine-Hilfen im Herbst 2025 — erscheinen angesichts der aktuellen Dimension als vergleichsweise kleine Übungen.

Der frühere US-NATO-Botschafter Ivo Daalder schrieb laut Stars and Stripes, dies sei „bei Weitem die schlimmste Krise, mit der die NATO je konfrontiert war.“ Ob Rutte auch diesmal die Wende schafft, bleibt vorerst offen.

Credits: APA

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