Trump empfängt Merz: Spitze gegen Merkel und zum D-Day

Trump empfängt Merz: Spitze gegen Merkel und zum D-Day

Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz ist zu seiner bislang schwierigsten Auslandsreise aufgebrochen: Der CDU-Politiker wurde am Dienstag im Weißen Haus von US-Präsident Donald Trump empfangen – zunächst mit viel Lob, dann mit spitzen Bemerkungen. Die Erwartungen an das Treffen waren hoch, doch der Auftritt verlief stellenweise überraschend – und mitunter irritierend. Ein Eklat, wie etwa beim Besuch des ukrainischen Präsidenten Selenskyj, blieb aus.

Pünktlich um 17.39 Uhr unserer Zeit traf Merz am Sitz des US-Präsidenten ein. Nach einem kurzen Händeschütteln im Garten des Weißen Hauses verschwanden beide ins Innere – und vor die Kameras der Weltpresse. Bundeskanzler Merz hatte ein persönliches Gastgeschenk dabei: Eine originalgetreue Kopie der Geburtsurkunde von Trumps deutschem Großvater. Der Präsident nahm das Dokument sichtlich erfreut entgegen – ein symbolischer Brückenschlag zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten.

Trump lobt Merz – und stichelt gegen Merkel

Trump begann die Pressekonferenz mit einer Lobeshymne auf den Kanzler. Merz habe „ein starkes Wahlergebnis“ eingefahren und sei „sehr respektiert“, so Trump. Dann richtete er den Blick in die Vergangenheit – und ließ kein gutes Haar an Angela Merkel. Deutschland habe ein Migrationsproblem, sagte er, „das ist nicht die Schuld von Kanzler Merz. Aber ich habe es ihr immer gesagt.“

Ukraine-Krieg: Trump mit skurrilem Kinder-Vergleich

Beim zentralen Thema der Reise, dem Ukraine-Krieg, offenbarte sich die große inhaltliche Kluft zwischen den Gesprächspartnern. Trump machte deutlich, dass er keine neuen Sanktionen gegen Russland plane. Vielmehr verglich er den Krieg mit einer Rauferei unter Kindern: „Manchmal sieht man Kinder kämpfen, und dann ist es besser, sie noch eine Weile kämpfen zu lassen.“

Merz wich einer konkreten Nachfrage zu diesem Vergleich aus. Er erklärte, man suche nach Wegen, den Krieg zu beenden. „Nach dreieinhalb Jahren haben wir die Verpflichtung, den Krieg zu beenden. Und wir möchten die Ukraine in die Lage versetzen, den Konflikt zu beenden“, sagte er. Zugleich betonte er, Trump sei „die Schlüsselperson zur Lösung des Konflikts“. Und Friedrich Merz erinnerte daran, dass morgen der 6. Juni ist, der Jahrestag der Landung der alliierten in der Normandie. Trump dazu eiskalt: „Das war kein guter Tag für euch.“ Merz darauf im ersten Reflex: „No.“ Aber er fängt sich dann und meint: „Langfristig betrachtet dann doch ein guter Tag.“

In weiten Teilen der Pressekonferenz dominierte jedoch Donald Trump das Geschehen. Der US-Präsident sprach minutenlang über Themen wie Inflation, Einwanderung, den Ukraine-Krieg und den Hamas-Terror – alles Dinge, die nach seiner Darstellung nie passiert wären, wenn er durchgehend Präsident geblieben wäre. Merz wirkte streckenweise wie ein stiller Zuhörer.

Nord Stream 2 und Militärausgaben: Trump teilt aus

Besonders scharf wurde Trump beim Thema Energie. Er prahlte damit, Nord Stream 2 gestoppt zu haben – mit direkter Spitze an Merz: „Sie haben das ja gewollt.“ Auch Deutschlands höhere Militärausgaben lobte Trump – jedoch mit ironischem Unterton: Irgendwann komme der Punkt, an dem er sagen werde: „Es reicht.“

Zwischen Xi und Merz

Ein weiteres Detail sorgte für Stirnrunzeln: Kurz vor dem Treffen mit Merz habe Trump noch mit Chinas Präsident Xi Jinping telefoniert. „Zwei so großartige Führungspersönlichkeiten dieser Welt so kurz hintereinander zu sprechen, ist wunderbar“, so Trump – und stellte Merz damit rhetorisch auf eine Stufe mit dem kommunistischen Staatschef.

Credits: APA

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