Trump ruft Infantino an, FIFA hebt Sperre auf: WM-Skandal erschüttert den Weltfußball

Trump ruft Infantino an, FIFA hebt Sperre auf: WM-Skandal erschüttert den Weltfußball

Ein direktes Telefonat zwischen dem US-Präsidenten und dem FIFA-Chef, eine aufgehobene Rotsperre und ein empörter belgischer Verband – die WM 2026 erlebt einen der größten Integritätsskandale der Turniergeschichte.

Was passiert ist

US-Stürmer Folarin Balogun sah im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina nach einem VAR-geprüften Foul an Tarik Muharemovic die Rote Karte – und hätte damit das Achtelfinale gegen Belgien verpasst. Doch am Sonntag teilte die FIFA mit, seine Sperre werde gemäß Artikel 27 des Disziplinarreglements für ein Jahr auf Bewährung ausgesetzt. Balogun ist spielberechtigt.

Was dahintersteckt, berichteten zunächst The Athletic, dann AFP, AP und die New York Times übereinstimmend: US-Präsident Donald Trump hat bereits am Mittwoch – direkt nach dem Spiel – bei FIFA-Präsident Gianni Infantino angerufen und ihn persönlich gebeten, die Strafe gegen Balogun zu überprüfen. Zwei mit dem Vorgang vertraute Quellen bestätigten dies laut Euronews/AFP. Zusätzlich hatte US-Außenminister Marco Rubio öffentlich die Rücknahme der Roten Karte gefordert. Weder die FIFA noch das Weiße Haus kommentierten die Berichte. Trump schrieb aber unmittelbar nach der FIFA-Entscheidung auf Truth Social: „Danke an die FIFA, dass sie das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit rückgängig gemacht hat.“

Einmaliger Vorgang – seit 1962 nicht mehr passiert

Es ist das erste Mal seit 1962, dass die FIFA bei einer Weltmeisterschaft einen gesperrten Spieler freigibt, ohne dass er auch nur ein Spiel absitzen musste, wie t-online festhält. Für alle anderen Teams, die in diesem Turnier Rote Karten erhielten, galt die automatische Ein-Spiel-Sperre laut Artikel 66.4 des FIFA-Disziplinarreglements. Der belgische Fußballverband wies genau darauf hin: Die Entscheidung stehe „im direkten Widerspruch zu den Bestimmungen des Turnierreglements“, teilte der KBVB laut Euronews und Sportschau mit. Man prüfe „alle möglichen Optionen“, um die Rechte aller teilnehmenden Teams zu wahren. Belgiens Trainer Rudi Garcia kommentierte die FIFA-Entscheidung laut oe24 mit Sarkasmus: „Ich wusste nicht, dass der 5. Juli jetzt der 1. April ist.“

Klopp, Ibrahimovic und ein FIFA-Vizepräsident

Die Reaktionen in der Fußballwelt fielen deutlich aus. Der frühere Liverpool- und Bayern-Trainer Jürgen Klopp äußerte sich laut oe24 scharf kritisch. Ein anonymer FIFA-Vizepräsident wird von oe24 zitiert: „Das ist eine absolute Schande!“ Zlatan Ibrahimovic hingegen begrüßte die Entscheidung. US-Teamchef Mauricio Pochettino sagte laut Euronews: „Das war eine faire Entscheidung, denn es hätte niemals eine Rote Karte sein dürfen.“ US-Verteidiger Christian Pulisic sprach von einem „Schub“ für das Team.

Der Kontext: Infantinos Nähe zu Trump

Dass Trump direkt beim FIFA-Präsidenten anruft, ist nicht aus dem Nichts entstanden, wie t-online betont. Infantino hatte zuletzt wiederholt versucht, Trumps Gunst zu gewinnen – unter anderem durch die Einführung eines eigens kreierten FIFA-Friedenspreises, der Trump verliehen wurde. Die USA sind Gastgeber der WM 2026, Trump hat sich das Turnier als politisches Prestigeprojekt angeeignet.

Einordnung der Redaktion

Wenn ein amtierender Staatspräsident beim Chef des Weltfußballverbands anruft, um eine sportliche Sanktion gegen einen Spieler seiner Nationalmannschaft zu kippen – und dieser daraufhin nachgibt – ist das ein Angriff auf die Grundprinzipien des Sports: Gleichbehandlung, Regelverbindlichkeit und Unabhängigkeit von politischem Druck. Dass die FIFA Artikel 27 als rechtliche Grundlage anführt, macht die Entscheidung formal nicht unhaltbar – aber sie beantwortet nicht die eigentliche Frage: Warum wurde diese Regelung nur für den Gastgeber angewendet, nachdem dessen Präsident persönlich intervenierte? Der Schaden für die FIFA-Glaubwürdigkeit ist bereits eingetreten – unabhängig davon, wie das Spiel gegen Belgien ausgeht.

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