Das transatlantische Bündnis zwischen Washington und Tel Aviv bekommt tiefe Risse. Ein Telefonat zwischen Donald Trump und Benjamin Netanyahu soll in einem Schimpfwortgewitter geendet haben.
Das Telefonat: „You’re fucking crazy“
Wie oe24 unter Berufung auf das US-Nachrichtenportal Axios und zwei US-Beamte sowie eine dritte mit dem Gespräch vertraute Quelle berichtete, soll Trump Netanyahu am Montag in einem Telefonat scharf attackiert haben. Der US-Präsident habe seinen Verbündeten als „verrückt“ bezeichnet und ihm Undankbarkeit vorgeworfen. Ohne ihn – Trump – würde Netanyahu im Gefängnis sitzen, soll Trump gewettert haben. Gegen Netanyahu läuft seit sechs Jahren ein Korruptionsprozess.
Auslöser des Streits waren Israels Angriffe auf den Libanon, die Trump laut Axios als inakzeptable Eskalation wertet – mitten in laufenden Verhandlungen mit dem Iran.
Die Vorgeschichte: Israel eskaliert im Libanon
Wie oe24 berichtete, hatten Israel und die libanesische Regierung Mitte April eine Waffenruhe geschlossen. Die proiranische Hisbollah-Miliz lehnt Verhandlungen mit Israel jedoch ab. Seither gehen die gegenseitigen Angriffe weiter – mit zivilen Opfern vor allem im Libanon. Israels Streitkräfte drangen zuletzt immer tiefer ins Landesinnere vor. Trump hatte zuvor auf Truth Social mitgeteilt, Israel und die Hisbollah würden ihre Angriffe stoppen und Israel werde keine Truppen nach Beirut entsenden – und berief sich dabei auf ein „sehr produktives“ Telefonat mit Netanyahu sowie ein „sehr gutes“ Gespräch mit Hisbollah-Vertretern.
Netanyahu rudert – aber nicht vollständig zurück
Wie oe24 unter Berufung auf Netanyahu-Aussendungen und die Times of Israel berichtete, gab Netanyahu später eine Erklärung ab, in der von einer neuen Waffenruhe keine Rede war. Sollte die Hisbollah ihre Angriffe auf israelische Städte nicht einstellen, werde Israel wieder „Terrorziele“ in Beirut angreifen – das habe er Trump mitgeteilt. Entgegen Trumps Behauptung hätten sich israelische Truppen laut Militärquellen auch gar nicht auf dem Weg nach Beirut befunden.
Iran droht mit Verhandlungsabbruch
Die Eskalation gefährdet die laufenden Iran-Gespräche direkt. Wie oe24 berichtete, drohte der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf auf X: Sollte „die israelische Aggression gegen den Libanon“ andauern, werde man „nicht nur den Verhandlungsweg stoppen, sondern auch in eine direkte Konfrontation mit dem Feind treten.“ Der Iran besteht als Teil eines endgültigen Abkommens mit den USA auf einem dauerhaften Waffenstillstand im Libanon.
Trump: „Einigung nächste Woche“
Trotz der Spannungen gibt sich Trump öffentlich optimistisch. Wie oe24 unter Berufung auf ABC berichtete, sagte Trump in einem Telefon-Interview, er denke, dass er „nächste Woche“ eine Einigung mit dem Iran über eine Verlängerung der Waffenruhe und die Wiedereröffnung der Straße von Hormuz erzielen werde. Ähnlich optimistische Zeitpläne hatte Trump bereits zuvor mehrfach verkündet – und wurde von der Realität eingeholt.
Credits: on Gage Skidmore from Surprise, AZ, United States of America – Donald Trump, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=134983607
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