Die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) steht im Zentrum eines Skandals, der die österreichische Gesundheitslandschaft erschüttert. Generaldirektor Winfried Pinggera sieht sich mit massiven Vorwürfen konfrontiert: Bei einem Gespräch über ME/CFS-Patienten soll er von „Trittbrettfahrern“ und „Scharlatanen“ gesprochen haben. Dies berichtet Gerhard Ströck, Gründer der We&Me-Stiftung, gegenüber der APA.
Was ist passiert?
Die brisanten Aussagen sollen bereits im August 2024 gefallen sein. Bei einem Treffen mit Betroffenen und Experten, das eigentlich die schwierige Situation von ME/CFS-Patienten beleuchten sollte, habe Pinggera die umstrittenen Begriffe verwendet. Ströck, dessen zwei Söhne selbst an der schweren Multisystemerkrankung leiden, zeigte sich entsetzt: „Für die PVA scheint diese Krankheit nicht zu existieren“, sagte er laut „Tiroler Tageszeitung“.
Die We&Me-Stiftung, die sich für die Erforschung und Anerkennung von ME/CFS einsetzt, machte die Vorwürfe öffentlich. Bereits im November 2024 wurden die Aussagen bei einer Konferenz thematisiert. Ströck betonte, dass die PVA die Krankheit systematisch ignoriere.
PVA wehrt sich: „Konstruktive Gespräche“
Die PVA weist die Vorwürfe entschieden zurück. In einer Stellungnahme erklärte die Pressestelle, dass es sich um ein „konstruktives Gespräch“ gehandelt habe. Ziel sei es gewesen, zwischen Patienten mit dringendem Bedarf und jenen, deren Genesung absehbar sei, zu unterscheiden. Doch die Kritik an der PVA reißt nicht ab.
Patienten in der Warteschleife
ME/CFS-Patienten kämpfen nicht nur mit ihrer Krankheit, sondern auch mit der Bürokratie. Laut einer Recherche von APA, ORF und Dossier wurden 79 Prozent der Anträge auf Invaliditätspension oder Pflegegeld abgelehnt. Häufig werden die Diagnosen schlichtweg negiert oder in psychische Erkrankungen umgedeutet. „Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Betroffenen“, so ein Experte.
Politik unter Druck
Auch die Politik bleibt nicht unberührt. Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) betonte, dass ME/CFS ernst genommen werden müsse. Ein Aktionsplan sei in Arbeit, um die Versorgung der Patienten zu verbessern. Doch ob das reicht, um das Vertrauen der Betroffenen zurückzugewinnen, bleibt fraglich.
Eine Krankheit im Schatten
ME/CFS, oft als „unsichtbare Krankheit“ bezeichnet, betrifft in Österreich schätzungsweise 70.000 bis 80.000 Menschen. Die Erkrankung, die durch Infektionen wie Covid-19 oder Pfeiffersches Drüsenfieber ausgelöst werden kann, führt zu schwerer Erschöpfung und zahlreichen weiteren Symptomen. Doch die Anerkennung durch Institutionen wie die PVA bleibt ein Kampf.
Credits: APA
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