Tränen, Mobbing-Vorwürfe und eine externe Prüfung: Skandal im Kunsthistorischen Museum

Tränen, Mobbing-Vorwürfe und eine externe Prüfung: Skandal im Kunsthistorischen Museum

Österreichs größter Museumsverband steckt mitten in einer handfesten Führungskrise. Im Kunsthistorischen Museum Wien (KHM) und seinen Filialen eskalieren Vorwürfe gegen die Spitze des Hauses — mit Tränen, Anwälten und einer bereits laufenden Untersuchung durch eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Eine Direktorin mit 30 Jahren Erfahrung erhebt Anklage

Im Mittelpunkt steht Veronika Sandbichler, 58-jährige Direktorin von Schloss Ambras bei Innsbruck und seit über drei Jahrzehnten für das KHM tätig. Sie leitet die einzige permanente Außenstelle des KHM-Museumsverbands außerhalb Wiens — bisher, wie der ORF berichtet, stets zur vollen Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten, dokumentiert durch lobende E-Mails aus dem Haus selbst. Doch seit dem Amtsantritt von Generaldirektor Jonathan Fine hat sich der Ton, wie Sandbichler in der ZiB2 schilderte, grundlegend gewandelt.

Sie werde mit Vorwürfen konfrontiert, ihre Arbeit sei schlecht, ihr Team leide unter ihr, und in den letzten 15 Jahren habe sie schwerwiegende Managementfehler begangen, berichtete Sandbichler dem ORF. Bei einem Workshop sei sie vor ihren eigenen Mitarbeitern von der Geschäftsführung „niedergemacht“ worden — woraufhin eine Angestellte zu ihr gesagt habe: „Das ist Mobbing.“ Fehler würden überproportional kritisiert, Erfolge ignoriert, von Führungstreffen werde sie inzwischen ausgeschlossen. Besonders pikant: Die Geschäftsführung soll ihr sogar eine Degradierung angeboten haben — angeblich zu ihrem eigenen Schutz vor zu viel Arbeitslast. Sandbichler gibt an, mittlerweile ärztliche Betreuung zu benötigen.

Anwalt: Fast 20 Fälle — ein strukturelles Problem

Sandbichler ist nicht allein. Ihr Anwalt Martin Maxl erklärte in der ZiB2, wie oe24.at und orf.at berichten, seit dem Amtsantritt von Fine seien ihm knapp 20 Auseinandersetzungen zwischen der Geschäftsführung und Mitarbeitern des KHM-Museumsverbands bekannt. Er selbst hatte bereits vor einem Jahr einen anderen Mitarbeiter in einem ähnlich gelagerten Fall arbeitsrechtlich gegen die Geschäftsführung vertreten. Sein Fazit: „Ich werfe dem Herrn Fine genau genommen eine toxische Führungskultur vor.“

Sandbichler spricht von einem „strukturellen Versagen“ — und davon, dass viele Betroffene anonym bleiben, weil sie um ihre Jobs fürchten. Das, wie orf.at berichtet, ist ein deutliches Zeichen für die Stimmungslage in einem der renommiertesten Museumshäuser des Landes.

Betriebsrat tagt, Ministerium schaltet Deloitte ein

Die Causa hat mittlerweile offizielle Konsequenzen. Wie die ZiB2 berichtete, trat der Betriebsrat des KHM am Dienstag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Das Kulturministerium hat eine externe Prüfung durch die Unternehmensberatung Deloitte bestätigt, wie orf.at meldet. Generaldirektor Fine selbst war zum Zeitpunkt der Berichterstattung auf Dienstreise in London, kaufmännischer Geschäftsführer Paul Frey wollte einer Kuratoriumssitzung am Mittwoch nicht vorgreifen.

KHM weist alle Vorwürfe zurück — und droht mit Klage

Vom KHM-Museumsverband kam via APA-Aussendung eine klare Gegendarstellung: Die erhobenen Behauptungen seien „inhaltlich unzutreffend, einseitig dargestellt und werden durch keinerlei Fakten gedeckt“, heißt es darin. Dem Verband zufolge versuche Sandbichler, ein „individuelles arbeitsrechtliches Interesse“ — nämlich die Beendigung ihres Dienstverhältnisses zu selbst gewählten Bedingungen — durch „gezielte Platzierung falscher Vorwürfe“ in die Öffentlichkeit zu tragen. Man prüfe bereits alle rechtlichen Möglichkeiten. Zudem betont der Verband, dass nicht das Ministerium, sondern das Kuratorium bereits vor der medialen Eskalation eine unabhängige Prüfung beauftragt habe.

Der Museumsverband-Anwalt Helmut Engelbrecht rollt laut orf.at die arbeitsrechtliche Auseinandersetzung mit Sandbichler detailliert auf und wirft ihr „deutliche Schwächen“ und „Uneinsichtigkeit“ vor — ein direkter Konter auf die öffentlichen Aussagen der Direktorin.

Wer am Ende Recht behält, wird die externe Prüfung zeigen. Klar ist schon jetzt: Der Ruf eines der bedeutendsten Museen Österreichs hat durch diesen öffentlichen Schlagabtausch bereits Schaden genommen.


Quellen:

  • oe24.at: „Toxisch!“ Schwere Mobbing-Vorwürfe gegen Museumsverband
  • orf.at: „Toxische Führungskultur“: Mobbingvorwürfe im Kunsthistorischen Museum
  • sn.at (APA): „Toxische Führungskultur“: Mobbing-Vorwürfe gegen KHM-Spitze
  • vienna.at: Mobbing-Vorwürfe gegen KHM: Toxische Führungskultur?
  • KHM-Museumsverband: Offizielle Stellungnahme via APA
  • khm.at: Geschäftsführung des KHM-Museumsverbands
  • schlossambras-innsbruck.at: Über uns — Direktorin Veronika Sandbichler

Credits: Von Burkhard Mücke – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=80197295

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