„Tod dem ehrlosem Araghchi“: Im Iran regt sich Widerstand gegen den Friedensdeal

„Tod dem ehrlosem Araghchi“: Im Iran regt sich Widerstand gegen den Friedensdeal

Während Trump und Pakistan die Unterschrift unter ein Waffenstillstandsabkommen für Sonntag ankündigen, demonstrieren im Iran Hardliner gegen ihren eigenen Außenminister. Der Deal ist näher als je zuvor — und innenpolitisch umstrittener auch.

Protest vor dem Außenministerium

Am Samstag versammelten sich laut Arab News und CBS News Dutzende Menschen vor einem Außenministeriumsbüro in der nordostiranischen Stadt Mashhad. Frauen in schwarzen Tschadors schwenkten rote und schwarze Fahnen und riefen Slogans gegen Außenminister Abbas Araghchi — darunter „Tod dem ehrlosem Araghchi, dem Infiltranten.“ Auf sozialen Medien kursierten laut WION News auch Videos von Demonstranten vor dem Außenministerium in Teheran mit den Rufen „Araghchi, zurücktreten“ und „Ghalibaf, zurücktreten“ — Letzterer ist Parlamentspräsident und zugleich Irans Chefunterhändler in den Gesprächen.

Was Araghchi sagte — und warum es so ankommt

Auslöser war ein Staatsfernsehen-Interview Araghchis vom Freitagabend. Darin erklärte er laut Arab News, das vorliegende Abkommen sehe die Aufhebung der US-Seeblockade iranischer Häfen vor — als Gegenleistung für Irans Öffnung der Straße von Hormus. Den Satz, der am meisten aufhorchen ließ: „Die Verwaltung der Straße von Hormus wird nicht mehr dieselbe sein wie bisher.“ Er bezeichnete die strategische Meeresenge als eines der „wichtigsten Abschreckungsinstrumente“ des Iran. Eine endgültige Einigung bestätigte Araghchi nicht — er bat die Medien, Spekulationen über den Inhalt zu unterlassen.

Für Irans Hardliner ist genau das das Problem. Die Kontrolle über die Straße von Hormus ist kein bloßes militärisches Instrument — sie ist das zentrale Druckmittel des Regimes gegenüber dem Westen. Wer sie aufgibt oder einschränkt, gibt laut dieser Logik die wichtigste Verhandlungsmacht des Landes ab.

Trump sagt Sonntag, Iran sagt: vielleicht

US-Präsident Trump und pakistanische Vermittler kündigten an, das Abkommen könne bereits am Sonntag unterzeichnet werden. Iranische Vertreter zeigten sich laut CBS News deutlich vorsichtiger und vermieden eine klare Zeitangabe. Araghchi selbst erklärte laut CBS News: „Das Islamabad-Memorandum of Understanding war noch nie so nah. Alle Details werden der Öffentlichkeit zu gegebener Zeit mitgeteilt.“

EINORDNUNG
Der interne Widerstand im Iran zeigt, wie schmal der Grat für Araghchi und Ghalibaf ist. Ein Deal, der dem Iran wirtschaftliche Erleichterungen bringt — Aufhebung der Sanktionen, Freigabe eingefrorener Gelder — könnte die leidende Bevölkerung entlasten. Aber er kostet politisch: Die Kontrolle über Hormuz war seit Monaten das einzige wirklich wirksame Druckmittel Teherans. Wer sie abgibt, muss das innenpolitisch rechtfertigen — in einem Land, das seit Monaten Krieg führt, Zehntausende Tote zu beklagen hat und dessen Wirtschaft unter Sanktionen kollabiert.
Dass ausgerechnet die halboffizielle Fars-Nachrichtenagentur das Protestvideos verbreitete, ist kein Zufall. Fars steht den Revolutionsgarden nahe — und signalisiert damit, welche Teile des Sicherheitsapparats dem Deal skeptisch gegenüberstehen.

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