Nach wochenlangem Ringen hat die Regierung eine klare Ansage gemacht: Wer unter 14 ist, darf in Österreich künftig keine sozialen Medien mehr nutzen. Digital-Staatssekretär Alexander Pröll erklärt im Interview, was das konkret bedeutet — und welche Plattformen betroffen sind.
Die Einigung: Was fix ist
Wie der ORF berichtet, hat die Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS am Freitag nach zähem Ringen den Durchbruch verkündet: Das Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige kommt. Bis Ende Juni soll ein konkreter Gesetzesentwurf vorliegen, anschließend muss die Regelung noch mit der EU abgestimmt werden — ein Prozess, der laut Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) weitere drei bis sechs Monate in Anspruch nehmen dürfte.
Warum ausgerechnet 14 als Grenze? Digital-Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) liefert im oe24.TV-Interview die Begründung: In Österreich dürfe man ab 16 Jahren wählen — deshalb peile man ein niedrigeres Mindestalter an als andere Länder. Wie Euronews berichtet, liegt die Altersgrenze in Australien bei 16, in Frankreich bei 15 Jahren. Österreich geht damit weiter als die meisten Vergleichsländer.
Welche Plattformen betroffen sind — und welche nicht
Im Interview mit oe24.TV machte Pröll klar, worum es beim Verbot inhaltlich geht: Es richte sich gegen Plattformen mit schnell wiederkehrenden Videoinhalten und hohem Suchtpotenzial — Hunderte Ingenieure arbeiteten dort gezielt daran, Nutzer abhängig zu machen. Als Beispiele nannte er ausdrücklich Instagram und TikTok.
YouTube ist laut Pröll ebenfalls Teil der Diskussion, eine abschließende Entscheidung stehe aber noch aus. WhatsApp hingegen sei ausdrücklich nicht betroffen — weil viele Kinder darüber mit ihren Eltern kommunizieren. Wie salzburg24.at berichtet, werde es keine fixe Plattformliste geben, sondern eine funktionsbasierte Definition: Entscheidend ist das Suchtdesign, nicht der Name der App.
Wie das Verbot kontrolliert werden soll
Die technische Umsetzung ist noch offen. Pröll nannte gegenüber oe24.TV mehrere mögliche Ansätze zur Altersverifikation: die ID Austria sowie Drittanbieter-Lösungen. Der Idealfall wäre laut Pröll eine europäische Lösung, die das Alter bestätigt, ohne persönliche Daten preiszugeben.
Strafen soll es geben — aber nicht für Eltern oder Kinder. Wie Pröll im Interview betonte, richten sich die Sanktionen ausschließlich gegen die Plattformbetreiber: Diese sollen in die Verantwortung genommen werden, das Gesetz dürfe nicht zahnlos sein.
Die von der ÖVP ursprünglich geforderte Klarnamenpflicht kommt laut ORF nicht. Stattdessen soll es strengere Regeln für die Weitergabe von Nutzerdaten bei schweren Delikten geben, kombiniert mit einer engeren Zusammenarbeit zwischen Behörden und Plattformen.
Schule soll mitziehen: Latein weicht Medienkompetenz
Flankiert wird das Verbot durch eine Reform der AHS-Oberstufen-Lehrpläne, die ab dem Schuljahr 2027/28 greifen soll. Wie meinbezirk.at berichtet, wird das neue Unterrichtsfach „Medien & Demokratie“ eingeführt — finanziert durch die Kürzung von zwei der bisher zwölf Lateinstunden. Die Gesamtstundenzahl soll dabei nicht steigen.
Digitalisierungs-Staatssekretär Pröll brachte die Motivation für das Gesamtpaket auf den Punkt: 76 Prozent der Mädchen gäben an, dass Social Media beeinflusse, wie schön sie sich finden. Kinder verbränden laut einer US-Studie 92 Prozent ihrer Freizeit auf sozialen Plattformen. Das sei, so Pröll, keine Freizeitbeschäftigung mehr — das sei Sucht.
Quellen:
- ORF.at / APA: Social-Media-Verbot bis 14 und Latein-Kürzung fix (27.03.2026) — orf.at
- Euronews: Österreich plant Verbot von Social Media für Kinder unter 14 Jahren (27.03.2026) — euronews.com
- Salzburg24 / APA: So wird Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige umgesetzt (27.03.2026) — salzburg24.at
- meinbezirk.at: AHS bekommt neues Schulfach: Österreich verbietet Social Media für alle unter 14 (27.03.2026) — meinbezirk.at
- oe24.TV / oe24.at: Ampel einigt sich auf Social-Media-Verbot unter 14 Jahren (27.03.2026) — oe24.at
Credits: APA
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