Thurnher prüft, Wolf verteidigt sich: Die ORF-Affäre eskaliert weiter

Thurnher prüft, Wolf verteidigt sich: Die ORF-Affäre eskaliert weiter

Das Bluesky-Posting von Armin Wolf zieht immer weitere Kreise. Jetzt hat ORF-Chefin Ingrid Thurnher eine Prüfung veranlasst — und Wolf selbst legt nach.

Anzeige bei der ORF-Chefin

Nachdem Wolf auf Bluesky den exxpress als „rassistische Fake-News-Schleuder“ bezeichnet hatte, schritt der von der FPÖ entsandte Stiftungsrat Peter Westenthaler zur Tat. Er brachte laut oe24.at eine Anzeige bei ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher ein und forderte eine Prüfung, ob Wolf gegen den ORF-Ethikkodex verstoßen habe. Konkret verwies Westenthaler auf Punkt 3.2.1 des Kodex, der festhält: „Keinesfalls dürfen öffentliche Äußerungen geeignet sein, Zweifel an der Objektivität, Unparteilichkeit oder Unabhängigkeit des ORF aufkommen zu lassen.“ Zudem gelte: Je exponierter ein Mitarbeiter in der Öffentlichkeit sei, desto sensibler seien seine Social-Media-Äußerungen zu beurteilen.

Thurnher hat laut Kurier die Prüfung tatsächlich veranlasst.

Wolf verteidigt sich — mit Screenshot

Wolf selbst ließ die Kritik nicht unbeantwortet. Auf Bluesky erklärte er laut oe24.at: „Herr Westenthaler und die FPÖ sind sehr entrüstet, dass ich Frau Schütz als Herausgeberin einer ‚rassistischen‘ Website bezeichnet habe. Offensichtlich haben sie nicht bis zum angehängten Screenshot gelesen.“ Wolf hatte seinem ursprünglichen Posting einen Screenshot der exxpress-Website angefügt, auf dem unter dem Titel „Top-Kommentare der letzten Woche“ Leserkommentare gezeigt wurden — darunter der Begriff „Remigration“.

Wolf argumentiert, sein Posting sei mit den ORF-Social-Media-Leitlinien vereinbar — diese schreiben vor, dass persönliche Wertungen „sachlich zu halten und zu begründen“ seien. Den Nachweis liefere der Screenshot.

ORF-Redaktionssprecher: „Sachlich begründet“

Rückendeckung bekam Wolf vom ORF-Redaktionssprecher Dieter Bornemann. „Es steht jedem frei, Prüfungen zu verlangen“, sagte er laut oe24.at — machte aber gleichzeitig klar: Wolfs Posting sei „sachlich begründet durch einen angehängten Screenshot mit rassistischen Kommentaren auf der Plattform exxpress.at.“

FPÖ bleibt auf Angriffskurs

Die FPÖ ließ sich davon nicht besänftigen. FPÖ-Chef Herbert Kickl bezeichnete Wolfs Äußerungen laut oe24.at als „an Überheblichkeit und Scheinheiligkeit nicht zu überbieten.“ Mediensprecher Christian Hafenecker sah darin das „System ORF“, das „seine hässliche Fratze der Intoleranz gegenüber jedem, der nicht auf Linie ist,“ zeige.

Einordnung: Eine Prüfung mit politischem Vorzeichen

Ob Thurnhers Prüfung zu einer Konsequenz für Wolf führt, ist offen — und politisch heikel. Die ORF-Chefin sitzt selbst in einem Amt, das von Parteipolitik geprägt ist. Straft sie Wolf, gilt sie als FPÖ-nah. Straft sie ihn nicht, gerät sie unter Druck der Freiheitlichen. Der Ausgang der Prüfung wird damit fast zwangsläufig politisch gelesen werden — egal wie er ausfällt.

Credits: EXPA Michael Gruber

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