Teuerungs-Schock: Studenten in Wien kämpfen ums Überleben und stürmen Sozialmärkte

Teuerungs-Schock: Studenten in Wien kämpfen ums Überleben und stürmen Sozialmärkte

Die finanzielle Not hat die Bundeshauptstadt fest im Griff. Was früher als die unbeschwerteste Zeit des Lebens galt, wird für viele junge Menschen in Österreich zunehmend zum knallharten Überlebenskampf. Die traurige Realität im Jahr 2026: Immer mehr Studenten können sich das tägliche Leben schlichtweg nicht mehr leisten und sind auf Sozialmärkte angewiesen, um überhaupt noch den Kühlschrank füllen zu können.

Verzweiflung an der Kassa: Junges Publikum in Sozialmärkten

Die nackten Zahlen der aktuellen Armutsstatistik zeichnen ein düsteres Bild. Mittlerweile gelten rund 1.448.000 Menschen in Österreich als armutsgefährdet. Das ist ein rasanter Anstieg auf 16 Prozent der Bevölkerung. Diese alarmierende Entwicklung ist besonders in den Wiener Sozialmärkten spürbar. Dort stehen immer öfter junge Gesichter in der Schlange.

Benjamin Klemen, der die Sozialmärkte beim Samariterbund Wien leitet, sieht die tägliche Not der Menschen aus nächster Nähe. Wie er gegenüber oe24 erklärt, spiegeln die aktuellen Zahlen genau das wider, was seine Mitarbeiter jeden Tag erleben. Immer mehr Menschen geraten enorm unter finanziellen Druck. Besonders auffällig ist laut Klemen, dass zunehmend auch junge Menschen und Studierende das Hilfsangebot in Anspruch nehmen müssen. In den SOMA-Märkten kosten Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel rund zwei Drittel weniger als im normalen Supermarkt. Für viele ist das die letzte Rettung.

Miete frisst das Budget auf

Doch wie konnte es so weit kommen? Die Antwort liefert ein Blick auf die explodierenden Kosten für ein Dach über dem Kopf. Wie das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) bei der Präsentation der Studierenden-Sozialerhebung (SOLA) 2025 berichtet, sind die Wohnkosten der größte finanzielle Stolperstein. Im Durchschnitt müssen Studenten monatlich 586 Euro allein für das Wohnen aufbringen.

Wie der Kurier ergänzend aus den Daten des Instituts für Höhere Studien (IHS) zitiert, fließen damit unfassbare 38 Prozent des gesamten verfügbaren Budgets direkt in die Miete. Besonders dramatisch ist die Lage bei den Studentenheimen: Hier sind die Kosten seit 2015 um satte 61 Prozent in die Höhe geschossen. Da bleibt am Ende des Monats kaum noch ein Euro für ein warmes Essen übrig.

Doppelbelastung: Arbeiten bis zum Umfallen

Um nicht komplett in die Schuldenfalle zu tappen, bleibt den angehenden Akademikern meist nur ein Ausweg: harte Arbeit neben dem Hörsaal. Mittlerweile arbeiten 68 Prozent der Studenten neben der Uni – und das im Schnitt mehr als 20 Stunden pro Woche. Für die allermeisten ist das kein netter Nebenverdienst, um sich Luxus zu gönnen, sondern die pure Notwendigkeit, um das Überleben zu sichern.

Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) schlägt angesichts dieser dramatischen Zustände laut Alarm. Wie die ÖH betont, leben mehr als sechs von zehn Studenten mit ihrem Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze. Zwar gibt es kleine Lichtblicke, wie etwa das neue Mensa-Menü für unter fünf Euro, das ab dem Wintersemester kommen soll. Doch für viele junge Menschen, die sich jeden Monat zwischen Miete und Lebensmitteln entscheiden müssen, ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Quellen: oe24.at, Kurier, BMFWF, Samariterbund Wien, IHS
Credits: APA

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