Bundesschulsprecherin Hannah Scheidl erhebt schwere Vorwürfe gegen einen Kabinettsmitarbeiter des Bildungsministers. Nun formiert sich auch öffentlicher Protest gegen die umstrittenen Schulpläne.
Was war passiert: Druck per Telefon
Alles begann am 12. März. Wie heute.at in einer ausführlichen Darstellung berichtet, soll die Schülerunion an diesem Tag davon in Kenntnis gesetzt worden sein, dass es bereits eine Einigung bei den geplanten Latein-Kürzungen gebe – obwohl die Schülervertretung nach eigenen Angaben gar nicht in die Gespräche eingebunden war. Dennoch habe man sie um Zustimmung gebeten. Bundesschulsprecherin Hannah Scheidl, 19 Jahre alt, bat daraufhin um Bedenkzeit – ein Statement bis zum nächsten Tag sei nicht möglich gewesen.
Am Folgetag eskalierte die Situation. Scheidl informierte den Kabinettschef des Bildungsministeriums, dass die Schülervertretung ihr Statement erst in der darauffolgenden Woche veröffentlichen werde. Dabei soll laut Scheidl Druck aufgebaut worden sein, der Einigung doch noch zuzustimmen. „Während des Telefonats habe ich gemerkt, wie seine Stimme laut und vorwurfsvoll wurde. Ich habe mich in der Situation definitiv angegriffen gefühlt“, schilderte die 19-Jährige gegenüber heute.at. Der Kabinettschef sei emotional geworden und habe ihr vorgeworfen, das Verhältnis zu beschädigen. „Nach dem Telefonat war ich sehr eingeschüchtert.“
Das Bildungsministerium weist die Vorwürfe zurück. Wie heute.at berichtet, betont das Ministerium: „Die Verhandlungen um die Lehrplanreform wurden sachorientiert und konstruktiv geführt, persönliche Angriffe können dabei ausgeschlossen werden.“ Man erwarte keine Veränderungen in der Beziehung zur Bundesschülervertretung.
Worum geht es inhaltlich?
Hintergrund des Konflikts ist die von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) vorangetriebene Reform der AHS-Oberstufen-Lehrpläne, die ab dem Schuljahr 2027/28 gelten soll. Wie das Parlament in seiner offiziellen Parlamentskorrespondenz festhält, will Wiederkehr den Unterricht zu Künstlicher Intelligenz, Demokratiebildung und Medienkompetenz ausbauen – und im Gegenzug bei Latein und der zweiten lebenden Fremdsprache kürzen. Konkret sollen die Lateinstunden laut meinbezirk.at von zwölf auf zehn pro Woche reduziert werden, ursprünglich waren vier Stunden weniger geplant.
Die Bundesregierung hat sich laut dolomitenstadt.at Ende März auf einen Kompromiss geeinigt: Die Kürzungen fallen geringer aus als ursprünglich geplant, und Schulen sollen autonom entscheiden können, ob Medienkompetenz als eigenes Fach oder fächerübergreifend unterrichtet wird.
Paradoxe Situation: Schülervertretung angeblich nicht eingebunden
Besonders brisant ist, dass Bundesschulsprecherin Scheidl nach dem Telefonat-Eklat bei der öffentlichen Präsentation der Ergebnisse durch Bildungsminister Wiederkehr von einem „historischen Tag“ sprach – und die Reformpläne lobte. Für Scheidl selbst ist das kaum nachvollziehbar: „Es gab weder Verhandlungen noch eine Einigung“, kritisiert sie laut heute.at. Dass der Minister ihre Zustimmung öffentlich präsentierte, ohne dass diese tatsächlich eingeholt worden sei, empfindet sie als irreführend.
Wie die offizielle Website der Schülerunion Österreich dokumentiert, stellt die Organisation mit Scheidl die Bundesschulsprecherin und hält 23 von 29 Mandaten in der Bundesschülervertretung – sie ist damit die mit Abstand gewichtigste Schülervertretung des Landes.
FPÖ spricht von „ideologischer Abrissbirne“
Politisch läuft die Kritik an Wiederkehrs Plänen auf mehreren Ebenen. Im Nationalrat bezeichnete FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl die Reformpläne laut Parlamentskorrespondenz als „ideologische Abrissbirne“ am Fundament der Bildung und als „trojanisches Pferd für eine sozialistische Einheitsschule“. Wie exxpress.at bereits im Februar berichtete, haben auch zahlreiche Prominente aus Kunst, Kultur und Wissenschaft in einem offenen Brief den uneingeschränkten Erhalt von Latein gefordert.
Das Bildungsministerium hingegen betont den Dialog: Der nächste reguläre Austauschtermin mit der Bundesschülervertretung sei Mitte April geplant.
Credits: APA
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