Seit fast vier Wochen ist die Straße von Hormuz für den Großteil des weltweiten Schiffsverkehrs praktisch gesperrt. Jetzt kommt eine vorsichtige Öffnung — mit klaren Bedingungen, die Tehran selbst bestimmt.
Was Iran jetzt erlaubt
In einem Schreiben vom 22. März an die Mitgliedstaaten der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) hat die iranische UN-Vertretung klargestellt: Schiffe, die nicht als feindlich eingestuft werden und keine militärischen Aktionen gegen den Iran unterstützen, dürfen die Meerenge passieren — sofern sie alle iranischen Sicherheitsvorschriften einhalten und die Durchfahrt mit den zuständigen iranischen Behörden vorab abstimmen. Wie dpa-AFX berichtet, ist dieses Schreiben die erste offizielle Lockerung seit Kriegsbeginn am 28. Februar.
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi formulierte die Linie gegenüber der Jüdischen Allgemeinen klar: Die Straße sei grundsätzlich offen — außer für Schiffe aus den USA, Israel und deren direkten Unterstützern. Das IMO-Schreiben ist damit kein Freifahrtschein, sondern ein Zugangsregime unter iranischer Kontrolle.
Die Lage im Golf: Stau mit 3.200 Schiffen
Das Ausmaß der Krise ist enorm. Wie oe24.at unter Berufung auf Branchenquellen berichtet, stecken derzeit rund 3.200 Schiffe im Persischen Golf fest — Tanker, Containerfrachter, Massengutschiffe. Die Ursache ist eine Kombination aus realer und psychologischer Blockade: Irans Kontrolle über Schlüsselinseln entlang der Meerenge, Drohnenangriffe auf Schiffe, Minengefahren und — besonders wirksam — der Entzug von Kriegsrisikoversicherungen durch westliche Versicherer.
Seit mindestens 22 Schiffe vom Iran getroffen wurden, wie oe24.at berichtet, wagen die meisten Reedereien die Passage schlicht nicht. Wer es dennoch versucht, zahlt: Lloyd’s List Intelligence zufolge sollen einige Reeder bereits bis zu zwei Millionen Dollar an den Iran überwiesen haben, um eine sichere Durchfahrt zu erkaufen.
Dass die Blockade nicht nur physisch funktioniert, erklärt Sicherheitsexperte Peter Neumann gegenüber der Stuttgarter Zeitung: „Die Reeder schickten keine Tanker mehr durch die Meerenge, weil eine glaubwürdige Drohung herrsche. Deswegen ist die Straße blockiert, auch ohne, dass sie tatsächlich physisch blockiert ist und auch ohne, dass jeder Tanker angegriffen wird.“
Öffnung mit Fragezeichen
Wie weit die Lockerung in der Praxis reicht, bleibt offen. Das Containerschiff „Selen“ unter der Flagge von St. Kitts und Nevis wurde trotz der neuen Regelung von den Revolutionsgarden (IRGC) zurückgewiesen — wegen fehlender Genehmigungen, wie die Nachrichtenagentur Tasnim berichtet, zitiert von der Jüdischen Allgemeinen. Das zeigt: Die Durchfahrt ist kein automatisches Recht, sondern eine Einzelfallentscheidung Teherans.
Gleichzeitig bereitet das iranische Parlament laut dem Abgeordneten Mansour Alimardani neue Gesetze für den Verkehr in der Meerenge vor — was auf eine dauerhafte Formalisierung der iranischen Kontrolle hindeutet.
Was auf dem Spiel steht
Durch die Straße von Hormuz — an ihrer engsten Stelle nur rund 38 Kilometer breit — laufen alle Öl- und Gaslieferungen aus Kuwait, Katar, Bahrain, Irak, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Iran. Das entspricht rund einem Fünftel der globalen Ölversorgung. Die Internationale Energieagentur (IEA) bezeichnete die aktuelle Lage als die „größte Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarkts“. Bloomberg berichtet, dass der Ölpreis nach Bekanntwerden der iranischen Lockerungsnachricht um rund fünf Prozent gesunken ist — ein erster Hinweis, wie sensibel die Märkte auf jede Bewegung in Hormuz reagieren.
Credits: Von MODIS Land Rapid Response Team, NASA GSFC – Diese Mediendatei wurde vom Goddard Space Flight Center der US-amerikanischen National Aeronautics and Space Administration (NASA) unter der Datei-ID 2018-12-10 kategorisiert., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=145434088
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