Ein persönlicher Fall wurde zur gesellschaftlichen Debatte. Am Sonntag versammelten sich vor dem Brandenburger Tor in Berlin mehrere Tausend Menschen, um gegen sexualisierte digitale Gewalt zu demonstrieren. Wie ZDF heute und t-online berichten, zählte die Polizei 6.700 Teilnehmer, die Veranstalter sprachen von 13.000. Anlass war die öffentlich gewordene Anzeige der Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen.
Die Vorwürfe: Was Fernandes beschuldigt
Fernandes wirft Ulmen vor, über Jahre in sozialen Medien Fake-Profile in ihrem Namen angelegt und Hunderten Männern dabei sexuelle Avancen gemacht zu haben — vermeintlich in ihrem Namen. Zudem soll er digital gefälschtes pornografisches Bildmaterial von ihr verbreitet haben. Fernandes selbst sprach in einem ARD-Interview von „digitaler Vergewaltigung“. Wie blick.ch berichtet, erstattete sie Ende 2025 Anzeige — nicht in Deutschland, sondern in Spanien, weil dort die rechtlichen Schutzmechanismen für Betroffene laut Fernandes deutlich besser seien. Das Bezirksgericht in Palma bestätigte gegenüber t-online, dass Vorermittlungen laufen. Christian Ulmen selbst hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz bezeichnete die Berichterstattung als „unzulässige Verdachtsberichterstattung“ und kündigte rechtliche Schritte gegen den Spiegel an.
Demo als politisches Signal
Organisiert hatte die Kundgebung das neu gegründete Bündnis „Feminist Fight Club“ rund um die Fridays-for-Future-Aktivistin Kira Bönisch, gemeinsam mit der Initiative „Nur Ja heißt Ja“. Fernandes war selbst nicht vor Ort — wie t-online berichtet, hat sie die Demo lediglich auf Instagram bekannt gemacht, ohne sie zu organisieren oder als Rednerin aufzutreten. Ein Statement von ihr wurde von einer Aktivistin verlesen.
Wie ZDF heute berichtet, forderte Klimaaktivistin Luisa Neubauer in ihrer Rede „Gesetze, die nicht länger die Täter schützen, sondern die Opfer.“ Auch Politikerinnen wie SPD-Chefin Saskia Esken sowie die Grünen-Politikerinnen Ricarda Lang und Lisa Paus waren laut webnachrichten.de vor Ort.
Gesetzeslücken im Fokus — Ministerin kündigt Reform an
Die rechtliche Dimension ist der eigentliche Kern des öffentlichen Drucks. Wie oe24 unter Berufung auf HateAid-Chefin Josephine Ballon berichtet, bestrafe das deutsche Recht Täter in solchen Fällen bisher nicht ausreichend. Fernandes selbst nannte Deutschland in den „Tagesthemen“ ein „absolutes Täterparadies“. Sie verwies dabei auf eine Dunkelfeldstudie des Bundeskriminalamts, nach der nur 2,4 Prozent der digitalen Gewalt überhaupt angezeigt wird.
Wie ZDF heute berichtet, reagierte Bundesjustizministerin Hubig prompt: Ein Gesetzentwurf gegen Porno-Deepfakes sei „praktisch fertig“. Auch im Koalitionsvertrag von Union und SPD sei bereits die Reform des Cyberstrafrechts vereinbart worden, um Strafbarkeitslücken bei bildbasierter sexualisierter Gewalt zu schließen.
Quellen:
- oe24.at: Tausende demonstrieren für Collien Fernandes (22.03.2026)
- zdfheute.de: Demo gegen digitale sexuelle Gewalt – Solidarität mit Fernandes (22.03.2026)
- tagesspiegel.de: Tausende Berlinerinnen demonstrieren gegen sexualisierte Gewalt (22.03.2026)
- t-online.de (berlin): Aufruf Collien Fernandes: Berlin-Demo gegen sexualisierte Gewalt gestartet (22.03.2026)
- t-online.de (berlin): Berlin: Collien Fernandes richtet sich an Demo am Brandenburger Tor (22.03.2026)
- nachrichten.at: Tausende bei Demo gegen digitale sexuelle Gewalt in Berlin (22.03.2026)
- blick.ch: Nach Anzeige gegen Ulmen: Collien Fernandes kündigt Demo an (22.03.2026)
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