Tanktourismus außer Kontrolle: Slowenien rationiert Sprit auf 50 Liter pro Tag

Tanktourismus außer Kontrolle: Slowenien rationiert Sprit auf 50 Liter pro Tag

Günstige Preise, langer Ansturm, leere Zapfsäulen – Slowenien zieht die Notbremse.

Stau an der Grenze, Rationierung ab sofort

Am 22. März 2026 verkündete Sloweniens Ministerpräsident Robert Golob auf einer Pressekonferenz in Ljubljana eine sofort geltende Maßnahme: Privatpersonen dürfen an slowenischen Tankstellen nur noch maximal 50 Liter Benzin oder Diesel pro Tag tanken, Unternehmen höchstens 200 Liter. Wie ORF, SN.at und 20 Minuten übereinstimmend berichten, trat die Regelung noch am selben Tag in Kraft.

Auslöser war ein massiver Tanktourismus aus den Nachbarländern. Wie 20 Minuten berichtet, standen bereits am frühen Samstagmorgen in der Grenzgemeinde Šentilj lange Schlangen österreichischer Autofahrer vor einer Tankstelle – Benzin und Diesel waren dort bis zu 50 Cent pro Liter günstiger als auf der österreichischen Seite.

Die Ursache: staatlich regulierte Niedrigpreise

Slowenien hält seinen Spritpreis seit längerer Zeit durch staatliche Preisregulierung künstlich niedrig. Wie heise autos und sn.at berichten, kostet Benzin 95 Oktan derzeit reguliert 1,466 Euro pro Liter – weniger als nahezu überall sonst in der Nachbarschaft. Seit dem 20. März gilt diese Deckelung allerdings nicht mehr für Autobahntankstellen, dort liegen die Preise laut ORF bei rund 1,70 Euro – was immer noch deutlich unter österreichischem oder italienischem Niveau bleibt.

Der Irankrieg und die damit ausgelöste globale Öl- und Gaskrise haben die Preisdifferenz zwischen Slowenien und seinen Nachbarn weiter verschärft. Wie der ADAC in einer Übersicht berichtet, ist Slowenien derzeit das günstigste Land Europas für Sprit.

Lager voll – aber Logistik überfordert

Golob stellte klar, dass die Rationierung nicht auf eine tatsächliche Knappheit zurückgeht. Wie ORF und nachrichten.at berichten, betonte der Ministerpräsident: Die Treibstofflager des Landes seien ausreichend gefüllt, die Logistik komme jedoch mit der zügigen Auslieferung an die Tankstellen nicht mehr nach. Der Andrang aus dem Ausland übersteige schlicht die Verteilungskapazität.

Wie die Kontrolle der Rationierung an den einzelnen Tankstellen funktionieren soll, ließ die Regierung zunächst offen – eine Frage, die auch in der öffentlichen Debatte für Skepsis sorgte.

Politisch brisanter Zeitpunkt

Die Ankündigung fiel auf einen besonderen Tag: In Slowenien fanden am 22. März 2026 ebenfalls Parlamentswahlen statt. Wie weekend.at berichtet, waren die Versorgungslage an den Tankstellen und die staatliche Energiepreisregulierung zentrale Themen im Wahlkampf. Die Regierung hatte erst Anfang März die Steuern auf Kraftstoff drastisch gesenkt, um die Bevölkerung zu entlasten – und damit den Preisunterschied zu den Nachbarländern nochmals vergrößert.


Quellen:

  • ORF.at: „Slowenien schränkt Treibstoffabgabe an Tankstellen ein“ (22.03.2026)
  • SN.at: „Slowenien rationiert Benzin und Diesel auf 50 Liter pro Tag“ (22.03.2026)
  • heise autos: „Iran-Krieg und Billigpreise: Slowenien führt Treibstoff-Limit ein“ (22.03.2026)
  • 20 Minuten: „Slowenien: Billig-Benzin sorgt für Staus an Grenze zu Österreich“ (22.03.2026)
  • nachrichten.at: „Slowenien beschränkt Tankmenge auf 50 Liter pro Tag“ (23.03.2026)
  • weekend.at: „Tankstellen-Slowenien: Rationierung auf 50 Liter pro Tag“ (22.03.2026)
  • ADAC: „Sprit im Ausland: Irankrieg sorgt für hohe Benzinpreise in Europa“ (Stand 16.03.2026)

Credits: APA

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