Taliban suchen Praktikanten in Bonn – und die EU lädt sie nach Brüssel ein

Taliban suchen Praktikanten in Bonn – und die EU lädt sie nach Brüssel ein

Was wie eine Satire klingt, ist bittere Realität: Das afghanische Generalkonsulat in Bonn – faktisch unter Taliban-Kontrolle – sucht derzeit offen Praktikanten in Deutschland. Gleichzeitig lud die EU-Kommission Taliban-Vertreter zu Abschiebegesprächen nach Brüssel ein. Eine Annäherung, die für scharfe Kritik sorgt.

Praktikum bei den Taliban – mitten in Deutschland

Auf der Website des afghanischen Generalkonsulats in Bonn ist die Stellenanzeige seit Mitte Mai aufgeschaltet. Wie migazin.de berichtet, können sich Studierende und Hochschulabsolventen für ein unbezahltes Praktikum bewerben – in Bereichen wie Passdienste, IT, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation. Gefragt sind laut Ausschreibung Deutschkenntnisse sowie Dari, Paschtu oder Englisch. Bewerben darf sich, wer über einen gültigen Aufenthaltsstatus in Deutschland verfügt – unabhängig von der Nationalität.

Besonders pikant: Die Stellenanzeige richtet sich explizit auch an Frauen und „diverse“ Bewerber – was rechtlich in Deutschland verpflichtend ist. In Afghanistan selbst haben Frauen seit der Taliban-Machtübernahme 2021 keinen Zugang zu höherer Bildung und sind aus den meisten Berufen verbannt. Sie benötigen laut migazin.de zudem einen männlichen Vormund, um das Haus zu verlassen, medizinische Hilfe zu suchen oder zu reisen.

Taliban-Personal in Bonn – mit Berliner Duldung

Das Generalkonsulat in Bonn steht seit dem Herbst 2025 unter Taliban-Einfluss. Wie t-online.de berichtet, hatte die Bundesregierung zwei mutmaßlichen Taliban-Diplomaten die Einreise nach Deutschland erlaubt – einer davon arbeitet seither in Bonn. Das bisherige Konsulat-Personal hatte aus Protest die Arbeit niedergelegt. Das Auswärtige Amt erklärt gegenüber migazin.de, der akkreditierte Mann sei als „Konsul“ tätig – nicht als „Generalkonsul“ –, weshalb das Amt formal als unbesetzt gelte. Wie nius.de berichtet, sind inzwischen auch das Generalkonsulat in München sowie die Botschaft in Berlin stark von Kabul beeinflusst.

Deutschland stuft die Taliban nicht als Terrororganisation ein – und steht damit nicht allein: Wie t-online.de festhält, haben auch die USA die Taliban bis dato nicht offiziell als Terrororganisation designiert, obwohl republikanische Senatoren dies bereits seit 2021 fordern.

EU lädt Taliban nach Brüssel – für Abschiebegespräche

Parallel zur Praktikumsausschreibung in Bonn verdichtet sich die diplomatische Annäherung auf europäischer Ebene. Wie migazin.de unter Berufung auf einen EU-Kommissionssprecher berichtet, hat die Generaldirektion Migration und Inneres gemeinsam mit dem schwedischen Justizministerium ein Schreiben an die Taliban-De-facto-Behörden in Kabul gerichtet – mit der Bitte um ein Treffen in Brüssel. Ziel: Abschiebungen von Afghanen aus der EU zu vereinfachen. Offiziell stellt die Kommission klar, dies stelle „keineswegs eine Anerkennung“ der Taliban dar. Derzeit streben laut migazin.de rund 20 EU-Staaten Abschiebungen nach Afghanistan an.

Scharfe Kritik von Menschenrechtsorganisationen

Gegen den eingeschlagenen Kurs regt sich Widerstand. Lisa Owen, Landesdirektorin des International Rescue Committee für Afghanistan, erklärte laut migazin.de: „Afghanen in ein Land zurückzuschicken, in dem fast die Hälfte der Bevölkerung sich nicht selbst ernähren kann, ist keine Migrationspolitik. Es ist eine Entscheidung, die Menschenleben kosten könnte.“ EU-Parlamentarierin Melissa Camara (Französische Grüne) kritisierte laut migazin.de, eine Einladung an die Taliban bedeute, „die Werte und Rechte aufzugeben, auf denen die Europäische Union beruht.“

Credits: APA

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