Syrien-Bilanz 2026: 8 Abschiebungen, aber 2.107 positive Bescheide — die Zahlen hinter der Schlagzeile

Syrien-Bilanz 2026: 8 Abschiebungen, aber 2.107 positive Bescheide — die Zahlen hinter der Schlagzeile

Österreich brüstet sich mit einem historischen Abschiebe-Rekord nach Syrien. Schaut man genauer hin, ergibt sich ein differenzierteres Bild: Tatsächlich zwangsweise abgeschoben wurden im ersten Quartal nur acht Syrer — während gleichzeitig Tausende positive Asylbescheide erteilt wurden.

Was Innenminister Karner präsentiert

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) zog für das erste Quartal 2026 eine stolze Bilanz: „Pro Tag müssen 40 illegal Aufhältige Österreich verlassen. Das bedeutet mehr Abschiebungen als neue Asylanträge im ersten Quartal“, erklärte er laut Bundesinnenministerium. Insgesamt 3.575 Personen hätten Österreich verlassen, 1.882 davon zwangsweise. Österreich sei überdies das erste EU-Land seit mehr als 15 Jahren gewesen, das direkt nach Syrien abgeschoben habe. Seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 hätten 1.117 Syrer das Land freiwillig verlassen, im ersten Quartal 2026 seien es 279 syrische Staatsangehörige gewesen.

Was hinter den Zahlen steckt

Wie exxpress berichtet, ergibt ein genauerer Blick ein anderes Bild. Von den 279 Syrern, die Österreich im ersten Quartal verlassen haben, reisten die große Mehrheit freiwillig aus — tatsächlich zwangsweise nach Syrien abgeschoben wurden laut der Auswertung lediglich acht Personen. Die übrigen Ausreisen erfolgten entweder auf eigene Initiative oder im Rahmen von Dublin-Überstellungen in andere EU-Länder.

Gleichzeitig wurden im März 2026 laut dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) insgesamt 3.549 positive Asyl- und subsidiäre Schutzentscheidungen getroffen — 23,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon entfielen 2.014 auf Syrer — also mehr als zwei Drittel. Im ersten Quartal insgesamt erhielten 2.107 Syrer einen positiven Bescheid. FPÖ-Sicherheitssprecher Gernot Darmann spricht laut FPÖ-Aussendung von einem „Abschiebe-Märchen“: Die ÖVP löse das selbst geschaffene Problem schlicht durch Einbürgerung.

Aberkennungen laufen — aber auch Anerkennungen

Parallel zu den Rückkehrprogrammen laufen laut Innenministerium und exxtra24.at im ersten Quartal 3.061 Aberkennungsverfahren — davon betrafen 1.971 syrische Staatsbürger. In 502 Fällen wurde Syrern der Schutzstatus tatsächlich aberkannt. Damit bleibt das Bild widersprüchlich: Auf der einen Seite laufen Aberkennungen, auf der anderen werden laufend neue positive Bescheide erteilt — und das in deutlich größerer Zahl.

Was die Zahlen wirklich zeigen

Die politische Debatte dreht sich um Schlagworte wie „Abschiebe-Rekord“ und „Festung Österreich“. Die nüchternen Daten zeigen: Die Gesamtzahl der Ausreisen übersteigt zwar die Zahl der Neuanträge — aber der Großteil der Ausreisen ist freiwillig oder erfolgt innerhalb der EU. Direkte Abschiebungen nach Syrien, dem zentralen Versprechen der Migrationspolitik, sind bisher die absolute Ausnahme. Und die Zahl der positiven Schutzbescheide für Syrer wächst schneller als die Zahl der Aberkennungen.

Credits: APA

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