Fast eine halbe Milliarde Euro floss 2025 an Betreiber von Wind- und Solaranlagen — für Strom, der nie beim Verbraucher ankam. Das Stromnetz kommt mit der Energiewende schlicht nicht mit.
Was steckt dahinter?
Wie die Welt berichtet, haben deutsche Netzbetreiber im Jahr 2025 rund 435 Millionen Euro Entschädigung an Betreiber von Wind- und Solaranlagen gezahlt — für Strom, den diese zwar produziert hätten, der aber wegen überlasteter Leitungen nicht ins Netz eingespeist werden durfte. Die Zahlen stammen aus der Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage des Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch, wie dpa-AFX berichtet.
Das Prinzip dahinter nennt sich Redispatch oder Einspeisemanagement: Wenn an windreichen oder sonnigen Tagen mehr Strom erzeugt wird, als die Leitungen transportieren können, greifen Netzbetreiber gezielt ein und drosseln einzelne Anlagen. Die Betreiber erhalten dafür gesetzlich garantierte Ausgleichszahlungen — finanziert über die Netzentgelte, also letztlich von den Stromkunden.
Bayern vorne, Nordsee folgt
Besonders teuer wurde es 2025 laut Bundeswirtschaftsministerium in Bayern: Mit rund 165 Millionen Euro führt der Freistaat die Länder-Statistik an — ein direktes Ergebnis des massiven Solarausbaus bei gleichzeitig schleppendem Netzausbau, wie Apollo News unter Berufung auf die Ministeriumsdaten analysiert. Dahinter folgen Niedersachsen mit 120 Millionen und Schleswig-Holstein mit 54 Millionen Euro, beides klassische Windkraftregionen. In Hessen, Bremen, dem Saarland, Berlin und Hamburg fielen dagegen kaum Zahlungen an.
Trend rückläufig — aber Problem bleibt
Immerhin: Die Gesamtsumme ist laut dpa-AFX gegenüber 2024 um rund 120 Millionen Euro gesunken und setzt damit einen mehrjährigen Rückgang fort. Zum Vergleich: 2024 lagen die Entschädigungen noch bei rund 554 Millionen Euro, wie Fachdaten zeigen. Dennoch bleibt die Grundproblematik bestehen — das Netz wächst langsamer als die Erzeugungskapazitäten.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat laut Weltwoche Reformen angekündigt: Die garantierte Einspeisevergütung für neue Solaranlagen soll entfallen, Betreiber sollen ihren Strom künftig selbst vermarkten. Ziel ist es, die Einspeisung stärker am tatsächlichen Bedarf auszurichten und Überförderung abzubauen. Ob das reicht, um das strukturelle Missverhältnis zwischen Ausbautempo und Netzkapazität zu lösen, bleibt offen.
Quellen:
- Weltwoche: Deutschland zahlt 435 Millionen Euro für nicht eingespeisten Strom aus Wind- und Solaranlagen
- Die Welt: Überproduktion — Netzbetreiber zahlten 435 Millionen Euro Entschädigung für Ökostrom
- dpa-AFX / onvista / finanztreff: Stau im Netz — 435 Millionen Euro Ausgleich für Ökostromer
- Apollo News: Wind- und Solarenergie — 435 Millionen zahlt Deutschland für Strom, der nie ins Netz kommt
- Bundeswirtschaftsministerium: Antwort auf parlamentarische Anfrage von Dietmar Bartsch (Linke)
- germanenergies.com: Fachanalyse PV-Abregelungen und Entschädigungssystem 2024/2025
Credits: APA
Neueste Kommentare