Steuergeld-Streit um Bablers WM-Trip: FPÖ will jeden Cent offenlegen

Steuergeld-Streit um Bablers WM-Trip: FPÖ will jeden Cent offenlegen

Sportminister Andreas Babler ließ sich beim WM-Auftakt der ÖFB-Elf in den USA feiern – die FPÖ sieht darin einen Widerspruch zur gleichzeitig gestrichenen Förderung für ein Kinder-Fußballprojekt und bringt die Reisekosten nun ins Parlament.

Vier Mitarbeiter, ein Auftaktsieg

Am Mittwoch startete Österreich mit einem 3:1-Sieg gegen Jordanien in die Fußball-WM, wie oe24 berichtet. Live mit dabei war Sportminister und Vizekanzler Andreas Babler, der gemeinsam mit vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in die USA gereist war, um beim ÖFB-Auftakt vor Ort zu sein. Alle vier Begleiter seien demnach auch im Stadion mit dabei gewesen.

Schnedlitz: „Eigene Vergnügungen“ auf Steuerkosten

Bei FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz sorgt die Reise für deutliche Kritik, wie oe24 schildert. Sein Vorwurf: Während Babler bei der Förderung eines bewährten Fußballprojekts „den Geldhahn zudreht“, lasse sich die Regierung den eigenen Fußballspaß weiterhin von den Steuerzahlern bezahlen. „Für unsere Kinder ist plötzlich kein Geld mehr da, aber für die eigenen Vergnügungen der Stocker-Babler-Regierung sehr wohl“, zitiert oe24 den FPÖ-Generalsekretär. Auch Bundeskanzler Christian Stocker soll demnach noch zum Spiel gegen Argentinien in die USA reisen.

In einer Aussendung über die OTS wird Schnedlitz noch deutlicher: „Babler bricht zur Fußball-WM auf, um wieder auf Kosten der Steuerzahler durch die Welt zu jetten.“ Für die eigene Belustigung sei offensichtlich Steuergeld vorhanden, während man bei den eigenen Kindern einspare, so der FPÖ-Politiker weiter.

Der Hintergrund: Gestrichene Förderung für die Käfig League

Konkret bezieht sich die Kritik auf die „Käfig League“ der Caritas Wien, ein seit 2010 bestehendes Fußballprojekt für Kinder und Jugendliche zwischen acht und 16 Jahren, unabhängig von Herkunft oder Einkommen der Eltern. Wie heute.at unter Berufung auf die „Kronen Zeitung“ berichtet, betreut das Projekt jährlich rund 1.300 Nachwuchsspieler in mittlerweile 18 Wiener Fußballkäfigen sowie weiteren Standorten in Niederösterreich, Tirol und Salzburg. Österreichische Nationalspieler wie David Alaba und Marko Arnautovic haben dort einst das Fußballspielen gelernt, wie die Kronen Zeitung schildert.

Das Sportministerium erklärte gegenüber der Kronen Zeitung laut fan.at wörtlich: „Die Käfig League wurde 2023 und 2024 mit jeweils 85.000 Euro gefördert. Im Vorjahr und auch heuer ist eine Förderung nicht möglich. Voraussetzung für die Gewährung ist nämlich auch, dass das Projekt ohne diese nicht stattfinden kann.“ Die Caritas sucht laut den Berichten nun nach alternativen Finanzierungsquellen, unter anderem wurden bei einem Benefizturnier mit ehemaligen Fußballprofis 13.500 Euro gesammelt.

Babler verteidigt seine Entscheidung

Babler selbst reagierte bereits in seinem Format „Kein BlaBla mit Babler“ auf die Medienberichte, wie oe24 schildert. Demnach sei das Projekt von seinem Start 2010 bis 2022 ohnehin nicht gefördert worden, lediglich 2023 und 2024 habe es eine Förderung gegeben. Der Grund für die aktuelle Streichung: Das Projekt schaffe es auch ohne die Förderung, weshalb man das Geld lieber in andere Initiativen fließen lasse. Babler verwies zudem auf andere Förderungen und Projekte im Bereich des Nachwuchssports.

FPÖ kündigt parlamentarische Anfragen an

Schnedlitz will den Kosten der USA-Reise des Sportministers nun auf den Grund gehen, wie oe24 berichtet. Er will unter anderem wissen, wer mitgeflogen ist und wo genächtigt wurde. Bekannt ist bereits, dass Babler und sein Team mit Economy-Tickets in die USA flogen. „Wir werden jeden einzelnen Cent ans Licht zerren“, kündigt Schnedlitz laut oe24 an. Die FPÖ kündigte zudem an, mittels parlamentarischer Anfragen sämtliche Kosten der Regierungsreisen zur Fußball-WM abzufragen – wer fliegt, wer mitgenommen wird, wie genächtigt wird und welche Tickets dabei anfallen.

EINORDNUNG DER REDAKTION
Bablers Begründung für die gestrichene Käfig-League-Förderung ist in sich nachvollziehbar: Eine Förderung soll laut Ministeriumsangaben nur dann gewährt werden, wenn ein Projekt ohne sie nicht stattfinden kann, und die Käfig League läuft trotz fehlender öffentlicher Mittel weiter, wenn auch unter zunehmendem finanziellen Druck und mit Einschnitten beim Angebot. Die FPÖ-Kritik zielt dabei weniger auf die Förderlogik selbst als auf die zeitliche und symbolische Nähe zwischen Sparmaßnahme und Auslandsreise: Ein Sportminister, der ein Programm für 1.300 Kinder als nicht förderwürdig einstuft und kurz darauf selbst mit vierköpfigem Personaltross zur Weltmeisterschaft reist, liefert der Opposition ein naheliegendes Bild für den Vorwurf der Doppelmoral. Ob die tatsächlichen Reisekosten diesen Vorwurf rechtfertigen, lässt sich aktuell nicht beurteilen, da weder Gesamtkosten noch Übernachtungsdetails öffentlich bekannt sind. Genau das soll die von der FPÖ angekündigte parlamentarische Anfrage nun klären.

Credits: Parlamentsdirektion/​Thomas Topf

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