Immer mehr Menschen in Österreich begegnen im Internet feindseligen oder erniedrigenden Inhalten. Das zeigt eine aktuelle Befragung von Statistik Austria, die am Dienstag veröffentlicht wurde – besonders betroffen sind junge Menschen und Schüler.
Deutlicher Anstieg binnen zwei Jahren
37 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen drei Monaten auf Hass im Netz gestoßen zu sein – 2023 waren es noch 31 Prozent. Am häufigsten richten sich entsprechende Beiträge gegen politische oder gesellschaftliche Ansichten (31 Prozent), gegen Religion oder Weltanschauung (26 Prozent) sowie gegen ethnische Zugehörigkeit (25 Prozent). Knapp ein Viertel der Bevölkerung nahm zudem feindselige Äußerungen aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität wahr, 20 Prozent beobachteten Angriffe aufgrund des Geschlechts, 17 Prozent aufgrund körperlicher oder psychischer Beeinträchtigungen.
Österreich unter dem EU-Schnitt
Im europäischen Vergleich liegt Österreich mit seinem Wert unter dem EU-27-Durchschnitt von 40 Prozent. Am höchsten fiel die Wahrnehmung von Hassrede in Irland aus (66 Prozent), gefolgt von Ungarn und Finnland mit jeweils 56 Prozent. Die niedrigsten Werte wiesen Griechenland (26 Prozent), Lettland (28 Prozent) sowie Litauen und Bulgarien mit jeweils 30 Prozent auf. Der grundsätzliche Aufwärtstrend zeigt sich aber EU-weit: Der Durchschnittswert stieg gegenüber 2023 von 34 auf 40 Prozent.
Junge und gut Ausgebildete am stärksten betroffen
„Überdurchschnittlich häufig kamen vor allem jüngere, gut ausgebildete Menschen sowie aktive Social-Media-Nutzer:innen im Netz mit Hass in Berührung“, fasst Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria, in einer Aussendung zusammen. Sowohl bei den 16- bis 24-Jährigen als auch bei den 25- bis 34-Jährigen berichteten jeweils 51 Prozent von entsprechenden Erfahrungen. Bei den 35- bis 44-Jährigen lag der Anteil bei 40 Prozent, bei den 65- bis 74-Jährigen mit 20 Prozent deutlich darunter.
Bildungsniveau macht großen Unterschied
Auch nach Bildungsabschluss zeigen sich deutliche Unterschiede: Unter Personen mit Pflichtschulabschluss stieß ein Viertel auf feindselige oder erniedrigende Inhalte, unter Personen mit Hochschulabschluss waren es bereits 53 Prozent. Besonders betroffen sind Schüler und Studierende: 55 Prozent von ihnen berichteten von entsprechenden Erfahrungen. Eine zentrale Rolle spielen dabei soziale Netzwerke: 68 Prozent der Bevölkerung nutzten diese in den drei Monaten vor der Befragung, unter ihnen gaben 45 Prozent an, feindselige oder erniedrigende Inhalte wahrgenommen zu haben.
Methodik der Erhebung
Statistik Austria führte die Befragung im Auftrag einer EU-Verordnung durch, die alle Mitgliedstaaten zur Datenlieferung mit einem europaweit einheitlichen Fragebogen verpflichtet. Befragt wurden insgesamt 4.295 Haushalte beziehungsweise 5.550 Personen, die Erhebung erfolgte zwischen April und Juli 2025 mittels Webfragebögen und Telefoninterviews.
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