AfD-Erdrutsch spaltet Europa: Jubel hier, Alarm dort

AfD-Erdrutsch spaltet Europa: Jubel hier, Alarm dort

Der historische Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt löst quer durch Europa höchst gegensätzliche Reaktionen aus. Während rechte Parteichefs von Madrid bis Budapest jubeln, schlagen Frankreich und Polen Alarm.

Rekordergebnis ohne absolute Mehrheit

Die AfD unter Spitzenkandidat Ulrich Siegmund gewann die Landtagswahl mit gewaltigem Vorsprung: Mit 43,8 Prozent erzielte die Partei den besten Wert bei einer deutschen Landtagswahl der vergangenen zehn Jahre – ein echter Rekord. Für die absolute Mehrheit reichte es dennoch knapp nicht.

Europas Rechte überschlägt sich mit Glückwünschen

Kaum stand das Ergebnis fest, meldeten sich rechte Parteichefs aus ganz Europa zu Wort. Der spanische Vox-Chef Santiago Abascal sprach von einem „spektakulären Ergebnis, das eine große Hoffnung für Deutschland und Europa darstellt“. Sein portugiesischer Amtskollege André Ventura von der Partei Chega nannte es schlicht einen „historischen Sieg“. Auch Ungarns Ex-Premier Viktor Orban jubelte ausgelassen: „Eine Riesen-Nacht für Deutschland und Europa! Haltet euch fest! Das ist erst der Anfang.“ Wie n-tv unter Berufung auf Agenturberichte meldet, gratulierte er AfD-Chefin Alice Weidel und Siegmund persönlich zum „Erdrutschsieg“.

Kickl: „Brandmauer eingerissen“

Auch FPÖ-Chef Herbert Kickl reihte sich in die Jubelchöre ein und interpretiert das Ergebnis als historischen Wendepunkt. Am Montag erklärte er, die Wähler hätten an der Wahlurne jene „undemokratische Brandmauer eingerissen, die abgehobene Eliten gegen die einzige patriotische Kraft errichtet haben“ – für ihn schlicht „gelebte Demokratie“. Kickl geht dabei noch weiter und sieht Parallelen zur österreichischen Innenpolitik: „Was wir heute in Deutschland erleben, ist dieselbe unaufhaltsame Dynamik, die auch in Österreich die patriotische Wende vorantreibt.“ Seine Einschätzung zum „System der Eliten“ fällt drastisch aus: Dieses bröckle an allen Ecken und Enden, weil die Bürger es nicht mehr länger ertragen wollten.

Sorge in Paris und Warschau

Ganz anders liest sich die Reaktion aus Frankreich und Polen. Der französische Finanzminister Roland Lescure sprach von einem „sehr, sehr besorgniserregenden Signal“. Noch deutlicher wurde Polens Premierminister Donald Tusk mit einer scharfen Zuspitzung: „In Polen können sich nur Idioten oder Verräter über den Triumph der AfD freuen.“ Auch der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski bezeichnete das Ergebnis als „beunruhigend“.

Wie sich die angekündigte, schwierige Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt tatsächlich entwickelt, dürfte zeigen, ob sich Europas geteilte Reaktionen auf das Wahlergebnis in den kommenden Wochen noch verschärfen.

Credits: Parlamentsdirektion/​Thomas Topf

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