An den österreichischen Zapfsäulen gibt es eine kleine Atempause: Diesel und Benzin sind zum Osterwochenende etwas günstiger geworden. Die Entspannung könnte aber trügerisch sein.
Aktuelle Preise und die Lage an den Tankstellen
Wie oe24 berichtet, liegt der durchschnittliche Dieselpreis aktuell bei 2,172 Euro pro Liter, Benzin kostet im Schnitt 1,765 Euro. Das ist zwar eine spürbare Erholung gegenüber dem Höchststand – doch der Blick zurück zeigt das Ausmaß der vorausgegangenen Teuerung: Laut ÖAMTC stieg der Dieselpreis im März allein um rund 70 Cent pro Liter, Benzin wurde um 40 Cent teurer. Der Monatsdurchschnitt für Diesel lag damit 46,3 Cent über dem Februarwert.
Ursache ist der Iran-Krieg: Seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar stieg der Ölpreis massiv an, die Blockade der Straße von Hormuz ließ die Energiemärkte weltweit reagieren. Erst als sich erste Verhandlungssignale zeigten, gaben die Rohölpreise leicht nach – was sich auch an österreichischen Zapfsäulen niederschlug.
Spritpreisbremse – positiv, aber kein großer Wurf
Die Bundesregierung hatte zum 1. April eine Spritpreisbremse eingeführt: eine temporäre Senkung der Mineralölsteuer um 5 Cent sowie eine Begrenzung der Gewinnmargen von Mineralölkonzernen. Wie orf.at berichtet, zeigte die Maßnahme laut WIFO-Experte Michael Böheim dennoch einen gewissen Effekt – sie dämpfe die Inflationsrate schätzungsweise um einen Viertelprozentpunkt.
Der ÖAMTC beurteilte die Maßnahme kritischer: „Eine Preisreduktion um durchschnittlich zehn Cent pro Liter ist angesichts der aktuellen Spritpreise letztlich kein großer Wurf“, sagte ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsleiter Martin Grasslober. Sollten die Preise weiter rasch steigen, könne die Bremse diese Entwicklung bestenfalls verlangsamen. Dass der Effekt schnell verpufft, zeigte sich bereits: Wie t-online berichtet, stieg der Dieselpreis im Burgenland kurz nach Inkrafttreten der Bremse innerhalb von zwei Tagen bereits um acht Cent.
Seit 16. März gilt zudem, dass Tankstellen Preiserhöhungen nur noch montags, mittwochs und freitags um 12 Uhr Mittag vornehmen dürfen. Preissenkungen sind jederzeit möglich. Wie oeamtc.at empfiehlt: wer am Osterwochenende verreist, tankt am besten vormittags vor 12 Uhr.
Tempolimit als Sparmaßnahme im Gespräch
Trotz der leichten Entspannung warnen Experten weiter. Der frühere E-Control-Vorstand Walter Boltz empfahl laut orf.at im Ö1-Mittagsjournal klare Energiesparmaßnahmen: „Je nachdem, wie lange der Krieg in Nahost andauert, gibt es einen leichten oder größeren Engpass bei Energie. Je weniger Energie Europa verbraucht, desto weniger Engpässe gibt es global.“ Einsparungen von zehn bis 15 Prozent hält Boltz für realistisch. Als eine der effektivsten Sofortmaßnahmen nannte er ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen – das reduziere den Verbrauch gegenüber Tempo 130 um rund ein Viertel.
Der ÖAMTC sieht solche Schnellschüsse kritisch und fordert laut oe24 durchdachte Konzepte statt überstürzter Maßnahmen. Die kommenden Wochen – und der weitere Verlauf der Iran-Verhandlungen – werden zeigen, ob die Preisentspannung an der Zapfsäule anhält oder nur ein kurzes Ostergeschenk war.
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