Sprengstoff an Gaspipeline in Serbien: Wahlkampfmanöver oder echter Anschlag?

Sprengstoff an Gaspipeline in Serbien: Wahlkampfmanöver oder echter Anschlag?

Eine Woche vor der Parlamentswahl in Ungarn taucht Sprengstoff an einer Gaspipeline auf. Orban nutzt den Fund sofort – und gerät damit in den Verdacht, eine Aktion „unter falscher Flagge“ zu inszenieren.

Was in Serbien gefunden wurde

Am Ostersonntag meldete Serbiens Präsident Aleksandar Vucic, seine Sicherheitskräfte hätten nahe der nordserbischen Stadt Kanjiza, unweit der ungarischen Grenze, zwei Rucksäcke mit „Sprengstoff in verheerender Kraft“ sowie dazugehörige Zünder entdeckt – wenige hundert Meter von der Balkan-Stream-Pipeline entfernt. Wie orf.at berichtet, informierte Vucic Ungarns Premier Viktor Orban noch am selben Tag telefonisch über den Fund.

Die betroffene Balkan-Stream-Pipeline ist eine Verlängerung der russischen TurkStream-Leitung und transportiert russisches Erdgas über die Türkei, Bulgarien und Serbien nach Ungarn. Laut t-online.de liefert sie 60 Prozent des ungarischen Erdgasbedarfs – Orban nennt sie „lebenswichtig“ für sein Land.

Orban beruft Krisensitzung ein – und lenkt Verdacht auf Kiew

Orban reagierte umgehend: Er berief eine Dringlichkeitssitzung des Nationalen Verteidigungsrats ein. Wie srf.ch berichtet, beschloss der Rat, die ungarische Strecke der Pipeline unter militärischen Schutz zu stellen. Soldaten sollen die Leitung von der serbisch-ungarischen bis zur slowakisch-ungarischen Grenze sichern.

Außenminister Peter Szijjarto sagte in einem Livevideo, der Vorfall füge sich in eine Reihe ukrainischer Versuche ein, Russlands Energielieferungen nach Europa zu unterbrechen. Orban selbst warf Kiew ohne direkte Benennung vor, für den Anschlagsversuch verantwortlich zu sein: „Die Ukraine arbeitet seit Jahren daran, Europa von der Gasversorgung aus Russland abzuschneiden.“

Die Ukraine wies die Vorwürfe postwendend zurück und erklärte laut orf.at, es handle sich wahrscheinlich um eine russische Operation unter „falscher Flagge“, die Einfluss auf die ungarische Wahl nehmen solle.

Oppositionsführer Magyar: „Russische Berater haben das geplant“

Genau diese Lesart teilt auch Oppositionsführer Peter Magyar, Spitzenkandidat der Partei TISZA. Wie t-online.de berichtet, schrieb Magyar auf Facebook, er habe bereits seit Wochen Signale erhalten, dass Aktionen „unter falscher Flagge“ geplant seien. Er habe mehrfach gehört, dass „zufällig“ eine Woche vor der Wahl, etwa zu Ostern, an dieser Pipeline etwas passieren werde. Seine Schlussfolgerung: „Außerdem rufe ich Viktor Orban dazu auf, wenigstens während der Feiertage mit der Panikmache aufzuhören, die russische Berater geplant haben.“

Sollte Orban den Vorfall für Wahlkampfpropaganda nutzen, käme das einem Eingeständnis gleich, dass dies eine Aktion unter falscher Flagge gewesen sei, so Magyar.

Ex-Geheimdienstmitarbeiter und Wissenschaftler schlagen Alarm

Besonders brisant: Ein ehemaliger Mitarbeiter des ungarischen Geheimdienstes bestätigte laut orf.at gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass es in Sicherheitskreisen in den vergangenen Tagen tatsächlich Diskussionen über eine fingierte Sabotageaktion gegeben habe – mit dem Ziel, die Wahlentscheidung der Ungarn zu beeinflussen. Der ungarische Russland-Experte Andras Racz hatte laut orf.at bereits vor Tagen auf Facebook vor genau solch einem Szenario gewarnt.

Eine Wahl auf Messers Schneide

Die Wahlen am 12. April werden für Orban zum Showdown: Laut Umfragen könnte seine Partei FIDESZ nach 16 Jahren die Macht verlieren. Orban hat den Wahlkampf konsequent auf Ablehnung der Ukraine-Hilfen und einen vermeintlichen Kampf für Frieden aufgebaut – eine Stimme für TISZA sei eine Stimme für Krieg, so die Botschaft. Wie tagesspiegel.de berichtet, blockierte Orban erst kürzlich auf einem EU-Gipfel erneut die Auszahlung von 90 Milliarden Euro Ukraine-Hilfen.

Ob der Sprengstofffund ein echter Terrorversuch war oder ein politisches Manöver – die Antwort darauf dürfte Ungarn in den nächsten Tagen in Atem halten.

Credits: APA

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