SPÖ: Tauwetter zwischen Ludwig und Doskozil – entsteht eine neue Machtachse?

SPÖ: Tauwetter zwischen Ludwig und Doskozil – entsteht eine neue Machtachse?

Jahrelang war das Verhältnis zwischen Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil angespannt. Nun zeichnet sich eine politische Annäherung ab. Die beiden einflussreichen SPÖ-Landeschefs finden wieder Gemeinsamkeiten – und könnten damit auch die Machtverhältnisse innerhalb der angeschlagenen Bundespartei verändern.

Aus Rivalen werden wieder Gesprächspartner

Zwischen Michael Ludwig und Hans Peter Doskozil scheint das politische Eis zu schmelzen. Wie die Austria Presse Agentur (APA) unter Berufung auf Parteikreise berichtet, wollen die SPÖ-Landesorganisationen aus Wien und dem Burgenland künftig wieder enger zusammenarbeiten.

Bereits bei den jüngsten Treffen der SPÖ-Landesparteichefs soll die Stimmung zwischen den beiden deutlich entspannter gewesen sein. Teilnehmer sprachen gegenüber der Tageszeitung Heute von einem ausgesprochen guten Gesprächsklima.

Eine offizielle Vereinbarung über eine neue politische Allianz gibt es bislang allerdings nicht.

Gemeinsam gegen höheres Pensionsalter

Den ersten gemeinsamen politischen Nenner liefert die aktuelle Pensionsdebatte. AMS-Vorstand Johannes Kopf hatte in der ORF-„Pressestunde“ angesichts der demografischen Entwicklung für eine langfristige Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters plädiert.

Ludwig und Doskozil lehnen diesen Vorstoß ab.

„Das faktische Pensionsantrittsalter ist in den letzten 25 Jahren stärker gestiegen als die Lebenserwartung“, erklärte Ludwig gegenüber der Tageszeitung Heute. Die Menschen würden daher im Durchschnitt nicht länger, sondern kürzer in Pension bleiben.

Doskozil argumentiert ähnlich. Zwar müsse die Finanzierung des Pensionssystems langfristig abgesichert werden, die Antwort könne aber nicht darin bestehen, „den Menschen einfach ein paar Arbeitsjahre zusätzlich umzuhängen“.

Beide Politiker sehen vor allem die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer als zentrale Herausforderung. Wer länger arbeiten soll, müsse schließlich auch die Möglichkeit dazu bekommen.

Der Machtkampf von 2023 wirkt nach

Die Annäherung ist politisch bemerkenswert. Das Verhältnis zwischen Ludwig und Doskozil hatte sich über mehrere Jahre verschlechtert und erreichte beim SPÖ-Vorsitzkampf 2023 einen Tiefpunkt.

Damals unterstützte Ludwig die Kandidatur Doskozils für den Bundesparteivorsitz nicht. Am Ende setzte sich Andreas Babler durch – nach einer turbulenten Vorsitzwahl, deren Ergebnis wegen eines Auszählungsfehlers korrigiert werden musste.

Wie Die Presse Anfang Oktober in einer Analyse des Verhältnisses der beiden Landespolitiker berichtete, hatten politische und persönliche Differenzen ihre frühere Zusammenarbeit zunehmend belastet.

Neue Machtverhältnisse in der SPÖ?

Die mögliche Wiederbelebung der Achse Wien–Burgenland kommt für die SPÖ zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Während die Bundespartei um ihre künftige Führung und politische Ausrichtung ringt, könnten zwei ihrer profiliertesten Landeschefs künftig wieder gemeinsam auftreten.

Das hätte Gewicht: Wien verfügt über eine besonders einflussreiche Landesorganisation, Doskozil wiederum vertritt innerhalb der SPÖ seit Jahren eigenständige politische Positionen.

Ob aus dem freundlicheren Umgang tatsächlich eine dauerhafte Zusammenarbeit entsteht, bleibt abzuwarten. Gemeinsame Positionen in der Pensionspolitik bedeuten noch keine Einigkeit bei Personalfragen oder der strategischen Ausrichtung der Bundespartei.

Fest steht jedoch: Ludwig und Doskozil betonen erstmals seit längerer Zeit wieder öffentlich ihre politischen Gemeinsamkeiten. Für die SPÖ könnte damit eine neue Phase der innerparteilichen Zusammenarbeit beginnen.

Credits: BKA, Andy Wenzel

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