Die Unfallzahlen in Tirol steigen drastisch – und die Politik reagiert. Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ) bringt eine Senkung der 0,5-Promillegrenze ins Spiel. Die Bilanz der Verkehrspolizei 2025 liefert erschreckende Zahlen: 43 Verkehrstote, über 3.500 alkoholisierte Lenker bei Kontrollen. Der SPÖ-Politiker fordert eine gesamtgesellschaftliche Debatte.
43 Tote – elf mehr als im Vorjahr
Die Zahlen, die Tirols Landespolizeidirektor Helmut Tomac am Mittwoch präsentierte, sind alarmierend. 2025 starben 43 Menschen auf Tirols Straßen – im Vorjahr waren es noch 32, wie oe24.at berichtet. Auch die Unfälle mit Verletzten stiegen deutlich: von 3.995 auf 4.084. Insgesamt wurden 4.976 Personen verletzt.
Die Hauptursachen bleiben gleich: An erster Stelle steht mit 35 Prozent Unachtsamkeit und Ablenkung am Steuer, gefolgt von überhöhter Geschwindigkeit. Auf Platz drei der Unfallursachen: Alkohol und Drogen.
Mehr als 3.500 alkoholisierte Lenker erwischt
Die Polizei führte 2025 über 200.000 Alkoholtests durch, wie Enrico Leitgeb, Leiter der Landesverkehrsabteilung, mitteilte. In 3.557 Fällen wurde eine Beeinträchtigung festgestellt – ein Anstieg gegenüber 2024 mit 3.454 Fällen, wie Puls24 meldet.
„Diese Zahl ist insgesamt signifikant“, betonte Leitgeb bei der Pressekonferenz in Innsbruck. Der „Kampf gegen Alkohol und Drogen am Steuer“ werde 2026 konsequent fortgesetzt.
Zumtobel: „Diskussion auf allen Ebenen begrüßenswert“
Vor diesem Hintergrund zeigte sich Verkehrslandesrat René Zumtobel offen für eine Verschärfung. „Das Thema ist zwar bundespolitisch“, sagte der SPÖ-Politiker, „aber eine Diskussion darüber auf allen Ebenen ist begrüßenswert.“
Seine klare Position: „Wenn man trinkt, soll man kein Fahrzeug lenken.“ Die neue 0,5-Promillegrenze für E-Scooter-Fahrer, die in der kommenden Novelle der Straßenverkehrsordnung verankert wird, sei „ein erster richtiger Schritt“, wie GMX.at zitiert.
„Gesamtgesellschaftliche Debatte“ gefordert
Zumtobel will das Thema aber breiter angehen. „Es ist auch eine gesamtgesellschaftliche Debatte über Alkohol und eine Sensibilisierung vonnöten“, hielt der Landesrat fest. Die Diskussion dürfe sich nicht nur auf den Straßenverkehr beschränken.
Die aktuelle Regelung in Österreich: Allgemein gilt eine Promillegrenze von 0,5. Für Fahranfänger in der Probezeit sowie für Lkw- und Buslenker (Führerscheinklassen C und D) liegt die Grenze bereits bei 0,1 Promille, wie Heute.at erklärt.
E-Scooter und E-Bikes im Fokus
Ein weiteres Sicherheitsproblem identifiziert Bernhard Knapp, Leiter der Landesverkehrsabteilung: Verletzungen mit E-Scootern steigen stetig. Doch nur zehn Prozent der Scooter-Fahrer tragen Helme. Hier gebe es „viel Luft nach oben“.
Landesrat Zumtobel kündigte bereits Maßnahmen an: „Die Kampagne des Landes wird sich 2026 um das Thema E-Bikes und E-Scooter und damit verbundene Sicherheitsfragen drehen“, wie ORF Tirol berichtet.
Verkehrssicherheitsstrategie bis 2034
Die Tiroler Landesregierung hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt. „Im Rahmen der Verkehrssicherheitsstrategie wollen wir die Zahl der Verkehrstoten bis 2034 um 50 Prozent reduzieren“, erklärte Landespolizeidirektor Tomac. Die Strategie wurde gemeinsam mit Behörden und der Autoindustrie ausgearbeitet und ist bereits 2024 in Kraft getreten.
Im Zentrum stehen die Bekämpfung von Alkohol und Drogen am Steuer sowie verstärkte polizeiliche Überwachung. „Das ist ein ambitioniertes Ziel, aber nicht unmöglich“, so Tomac.
Bundespolitische Entscheidung
Ob es tatsächlich zu einer Senkung der Promillegrenze kommt, liegt nicht in Tirols Hand. Die Entscheidung muss auf Bundesebene fallen. Zumtobels Vorstoß könnte aber eine österreichweite Debatte anstoßen – gerade angesichts der steigenden Unfallzahlen.
Die Frage bleibt: Würde eine strengere Promillegrenze die Verkehrssicherheit tatsächlich erhöhen? Oder braucht es vor allem mehr Kontrollen und ein gesellschaftliches Umdenken beim Thema Alkohol?
Quellen: oe24.at, Puls24, GMX.at, Heute.at, ORF Tirol, Exxpress, UnserTirol24, Land Tirol
Credits: APA
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