Das neue Gefängnis für Jugendliche am Münnichplatz in Wien-Simmering sollte ein modernes Vorzeige-Projekt werden. Mehr als fünf Millionen Euro hat der Bau inklusive Ausstattung gekostet. Doch nur drei Monate nach dem Start herrscht dort pures Chaos. Die Einrichtung ist völlig überfüllt, das Personal ist vollkommen überlastet.
Zellen voll, Wärter fehlen
Eigentlich ist die Anlage für 72 männliche Jugendliche gebaut. Die Realität sieht aber völlig anders aus. Aktuell drängen sich dort mehr als 80 Insassen. Während die Zellen überquellen, sind die Gänge leer. Norbert Dürnberger, der Vorsitzende der GÖD-Justizwachegewerkschaft, schlägt nach einem Besuch in der Anstalt laut Alarm. Die Situation ist extrem angespannt.
An manchen Tagen ist nur die Hälfte der eigentlich nötigen Posten besetzt. Ein normaler Alltag ist so völlig unmöglich. Wichtige Begleitungen zu Therapien, die Arbeit in den Werkstätten oder der tägliche Hofgang fallen aus oder finden nur unter großem Risiko statt. Die jungen Insassen verbringen notgedrungen viel zu viel Zeit eingesperrt in ihren Zellen.
Sicherheit kaum noch garantiert
Wenn Wärter fehlen, leidet die Kontrolle. Derzeit kann die Sicherheit und Ordnung in der Sonderanstalt nicht zur Gänze gewährleistet werden, warnt Dürnberger. Die Lage verschärft sich noch weiter, weil die Jugendlichen nun direkt am Münnichplatz eingeliefert werden. Das bedeutet für die Beamten viele Fahrten zu Gerichtsterminen. Dieses Personal fehlt dann im Gefängnis.
Die Belastung für die verbliebenen Beamten sprengt jeden Rahmen. Sie schieben Überstunden ohne Ende. Die Gefahr von Burnout und Ausfällen durch Krankheit steigt massiv an, wie die APA berichtet. Dürnberger fordert sofortige personelle Unterstützung, die bisher jedoch abgelehnt wurde. Zudem braucht es dringend Zulagen, um den harten Job überhaupt noch attraktiv zu machen.
Vernichtende Kritik von allen Seiten
Nicht nur die Gewerkschaft ist fassungslos. Auch die Volksanwaltschaft teilt kräftig aus. Sie kritisierte schon beim Bau das völlig verfehlte Projektmanagement. Volksanwältin Gabriela Schwarz findet deutliche Worte: Nicht nur die Zustände am Münnichplatz sind schlecht, der gesamte Jugendstrafvollzug in Österreich erregt große Sorge, wie der ORF zitiert.
Die Gewerkschaft fordert nun einen raschen Befreiungsschlag. Die Justizwache braucht österreichweit dringend 300 bis 400 zusätzliche Beamte. Nur so können benachbarte Dienststellen im Notfall aushelfen. Bis die Politik endlich handelt, tickt die Uhr im neuen Wiener Jugendgefängnis unerbittlich weiter.
Quelle: oe24.at, vol.at, orf.at, vienna.at, sn.at
Credits: APA
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