„Alle müssen einen Beitrag leisten“ — das sagte die Regierung am Mittwoch nach dem Ministerrat. Gleichzeitig gönnt sie sich neun Generalsekretäre mit Stab, die zusammen mehr als 3,6 Millionen Euro im Jahr kosten. Aufgedeckt hat das ausgerechnet eine parlamentarische Anfrage.
Die Anfrage, die Zahlen sprechen lässt
Grünen-Vizeklubchefin Alma Zadić legte mit einer parlamentarischen Anfrageserie auf den Tisch, was die Regierung selbst nicht kommuniziert hatte. Wie heute.at berichtet, beschäftigen die XXL-Kabinette der Minister und Staatssekretäre im ersten Quartal 2026 insgesamt 404 Mitarbeiter — Rekord. Die monatlichen Kosten allein für diese Büros: 3,88 Millionen Euro. Ebenfalls Rekord.
Doch damit nicht genug. Zadić fragte auch nach den Generalsekretariaten — und traf einen weiteren wunden Punkt.
Neun Schattenminister, 14.120 Euro im Monat
In gleich neun Ministerien lassen sich die Ressortchefs von einem Generalsekretär unterstützen. Betroffen sind laut heute.at: Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ), Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und Bildungsminister Christoph Wiederkehr (beide NEOS), Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) sowie Innenminister Gerhard Karner, Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (alle ÖVP).
Jeder dieser Generalsekretäre verdient monatlich 14.120,30 Euro — 14 Mal im Jahr. Allein die neun Gehälter summieren sich auf knapp 1,8 Millionen Euro jährlich. Dazu kommen 28 Mitarbeiter in den Büros der Generalsekretäre. Vier Ministerien wollten die Gehaltskosten ihrer Stabsmitarbeiter aus Datenschutzgründen nicht bekanntgeben. Aus den bekannten Zahlen ergibt sich bereits ein jährlicher Gesamtaufwand von mehr als 3,6 Millionen Euro allein für die Generalsekretariate.
Das teuerste Schattenkabinett sitzt im Außenamt
Besonders ins Auge sticht das Generalsekretariat von Außenministerin Meinl-Reisinger. Laut heute.at hat der dortige Generalsekretär zehn Mitarbeiter — zwei mehr als noch im Herbst. Die monatlichen Kosten dieses Generalsekretariats: 89.714 Euro. Das ist das teuerste aller neun. Zusätzlich unterhält Meinl-Reisinger im Außenministerium noch ein eigenes Sonderbüro als Koordinierungsstelle für die pinke Regierungsarbeit — dieses kostete im ersten Quartal 2026 allein bereits 194.000 Euro und wurde zuletzt erneut aufgestockt.
Die Neos und die Schattenminister: eine Geschichte mit Wendung
Der pikanteste Teil der Geschichte ist ein politischer. In der Opposition hatten die NEOS Generalsekretäre in Ministerien noch scharf als „Schattenminister“ kritisiert — ein Begriff, der sich bis heute hält. Jetzt, in der Regierung, haben sowohl Meinl-Reisinger als auch Bildungsminister Wiederkehr ihre eigenen. Im Bildungsministerium sind vier Personen im Büro des Generalsekretariats beschäftigt.
Generalsekretäre sind keine Erfindung dieser Regierung — sie existieren in österreichischen Ministerien seit Jahrzehnten und dienen als politische Koordinatoren zwischen Minister und Beamtenapparat. Ihre Funktion ist umstritten: Kritiker sehen in ihnen eine politische Parallelstruktur, die an den Beamten vorbei agiert. Befürworter argumentieren, dass komplexe Ressorts eine solche Schnittstelle brauchen.
Was neu ist: die Kombination aus Rekordgröße der Regierung, Rekordkosten der Kabinette — und dem gleichzeitigen Anspruch, ein Sparbudget vorzulegen.
Credits: BKA_Christopher Dunnker
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