SOS-Kinderdorf-Chefin Annemarie Schlack: Das hört jetzt auf!“

SOS-Kinderdorf-Chefin Annemarie Schlack: Das hört jetzt auf!“

Die Enthüllungen erschüttern Österreich: Gegen den 1986 verstorbenen Gründer der SOS-Kinderdörfer, Hermann Gmeiner, stehen schwere Missbrauchsvorwürfe im Raum. Wie oe24 berichtet, soll Gmeiner in den 1950er- bis 1980er-Jahren an mindestens acht minderjährigen Burschen sexuelle Gewalt und Misshandlungen verübt haben. Die Übergriffe sollen an vier Standorten in Österreich stattgefunden haben.

Im ZIB2-Studio sprach SOS-Kinderdorf-Chefin Annemarie Schlack offen über die Vorwürfe und kündigte eine umfassende Aufarbeitung an. „Das hört jetzt auf, da machen wir jetzt Tabula Rasa“, erklärte sie entschlossen. Schlack betonte, dass man den Betroffenen glaube und keine Tabus mehr dulden werde.

Eine dunkle Vergangenheit: Die „Unkultur des Schweigens“

Die Missbrauchsvorwürfe wurden im Rahmen von Opferschutzverfahren zwischen 2013 und 2023 bekannt. Laut Schlack habe es über Jahrzehnte hinweg eine „Unkultur des Schweigens“ gegeben. „Die Betroffenen haben die Geschehnisse plausibel dargelegt“, so Schlack weiter. Die Entscheidungen zu Entschädigungen basieren auf Plausibilitätsprüfungen, da es sich nicht um forensische Untersuchungen handelt.

Wie oe24 berichtet, sind bislang 67 Meldungen zu Missbrauchsfällen eingegangen. Um die Vorwürfe lückenlos aufzuklären, wird ein Sonderbeauftragter eingesetzt. „Wir werden jeder Meldung nachgehen“, versicherte Schlack.

SOS-Kinderdorf vor einem Neuanfang

Die Organisation plant eine umfassende Reform. Eine eigens eingerichtete Kommission soll die Strukturen des SOS-Kinderdorfs neu aufstellen und sicherstellen, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen. „Der Mythos der idealisierten Welt wird jetzt auf den Kopf gestellt“, erklärte Schlack. Ziel sei es, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und den Betroffenen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Trotz der schweren Vorwürfe betonte Schlack, dass SOS-Kinderdorf weiterhin bestehen bleibt. „Wir helfen aktuell fast 2.000 Kindern“, so die Geschäftsführerin. Die Organisation will sich ihrer Verantwortung stellen und gleichzeitig ihre wichtige Arbeit fortsetzen.

Ein Appell an die Gesellschaft

Die Enthüllungen werfen ein Schlaglicht auf die Notwendigkeit, Missbrauchsfälle konsequent aufzuarbeiten und Betroffenen eine Stimme zu geben. SOS-Kinderdorf setzt ein klares Zeichen: Vertuschung und Schweigen gehören der Vergangenheit an. Wie oe24 berichtet, ist die Devise nun Transparenz und Aufklärung.

Die Reformen und die klare Haltung der Organisation könnten ein Vorbild für andere Institutionen sein, die mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert sind. Annemarie Schlack hat es auf den Punkt gebracht: „Das hört jetzt auf.“

Quelle: ZIB2, oe24.at
Credits: APA

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