Soldaten vor Synagogen: Belgien reagiert auf islamistische Anschlagsserie

Soldaten vor Synagogen: Belgien reagiert auf islamistische Anschlagsserie

Schwer bewaffnete Soldaten in Brüssel und Antwerpen, beschlagnahmte Fahrzeuge in jüdischen Vierteln, Sprengstoffanschläge auf Synagogen in mehreren Ländern gleichzeitig — Europa erlebt eine koordinierte antisemitische Anschlagswelle, deren Hintermänner noch nicht eindeutig identifiziert sind. Und Belgien greift zu drastischen Mitteln.

Der Auslöser: Explosion in Lüttich

Am 9. März 2026 erschütterte eine Explosion die Synagoge in Lüttich. Niemand wurde verletzt, aber der Bürgermeister bezeichnete den Vorfall laut mena-watch.com als „abscheulichen antisemitischen Akt.“ Innenminister Bernard Quintin kündigte umgehend verschärfte Schutzmaßnahmen an. Wenige Tage später — am Montag, 23. März — rückte das Militär aus.

Wie Reuters und gamereactor.de berichten, patrouillieren seitdem bis zu 200 Soldaten in Brüssel und Antwerpen zum Schutz von rund zwei Dutzend Standorten: Synagogen, jüdische Schulen und Gemeindezentren. Der Einsatz ist zunächst auf drei Monate befristet, soll dann auf 90 Soldaten reduziert und auf Lüttich ausgeweitet werden. Durch Rotationen entspricht das Gesamtaufgebot laut exxpress.at rund 600 Soldaten. Verteidigungsminister Theo Francken betonte auf X: „Sicherheit ist ein Grundrecht.“

Neue Gruppe bekennt sich — doch wer steckt dahinter?

Hinter den Anschlägen soll eine bislang kaum bekannte Gruppe stehen: „Harakat Ashab al-Jamin al-Islamia“ — auf Deutsch etwa „Islamische Bewegung der Gefährten der Rechtschaffenden.“ Sie reklamiert laut einem israelischen Regierungsbericht, der Mitte März veröffentlicht wurde und den die Abendzeitung München zitiert, Anschläge in Lüttich, Rotterdam, Amsterdam und London für sich.

Doch Terrorismusforscher Julian Lanchès vom International Centre for Counter-Terrorism (ICCT) zweifelt, wie dpa berichtet, an der Echtheit der Gruppe: Es fehle ein eigener Telegram-Kanal, zudem sei das Wort „islamistisch“ im arabischen Bekennerschreiben falsch geschrieben — ein deutlicher Hinweis auf eine mögliche Inszenierung zur Verschleierung der wahren Urheberschaft. Lanchès: „Es sieht so aus, als ob es eine Fassade wäre.“ Trotzdem betone er, es gebe viele Hinweise, dass der Iran hinter den Anschlägen stecke.

Die Behörden mehrerer europäischer Staaten untersuchen laut dpa derzeit iranische Verbindungen. Der britische Inlandsgeheimdienst MI5 erklärte, innerhalb von zwölf Monaten „mehr als zwanzig potenziell tödliche, vom Iran unterstützte Anschlagspläne“ verfolgt zu haben.

Die Serie im Überblick

Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar häufen sich antisemitische Attacken in Europa: In Rotterdam wurde vor einer Synagoge Feuer gelegt, in Amsterdam ein Sprengsatz an einer jüdischen Schule deponiert, in London brannten vier Krankenwagen eines jüdischen Rettungsdienstes. Die Niederlande nahmen nach dem Rotterdam-Anschlag vier Verdächtige im Alter von 17 bis 19 Jahren fest, in London wurden zwei Männer verhaftet, wie Abendzeitung München auf Basis von dpa-Material berichtet.

In Antwerpen wurde ausgerechnet in der Nacht zum Montag — als die Soldaten ihren Dienst antraten — ein Auto im jüdischen Viertel angezündet. Zwei Verdächtige wurden kurz darauf festgenommen.

Politischer Streit über das Vorgehen

Die Entscheidung zum Militäreinsatz wurde von Innen- und Verteidigungsminister getroffen, ohne Justizministerin Annelies Verlinden einzubeziehen. Wie VRT NWS berichtet, reagierte sie scharf. Premier Bart De Wever verteidigte das Vorgehen: Das Gesetz erlaube es der Polizei, militärische Unterstützung anzufordern.

Belgiens Bedrohungsstufe verbleibt laut Euronews auf Stufe drei von vier — „ernst.“ Das Land kennt diese Lage: Nach den Terroranschlägen von 2016, bei denen 32 Menschen starben, standen ebenfalls Soldaten auf Brüssels Straßen — die „Operation Vigilant Guardian“ lief bis 2021. Jetzt ist das Militär erstmals seit fünf Jahren wieder im Inneneinsatz.


Quellen:

  • exxpress.at: Islamistische Terror-Serie: Belgien schickt Soldaten zu Synagogen
  • Reuters (via israelnieuws.nl): België zet soldaten in om de veiligheid bij Joodse locaties te versterken (23. März 2026)
  • VRT NWS (vrt.be): Militäreinsatz zum Schutz von Synagogen und jüdischen Schulen (17. März 2026)
  • Abendzeitung München / dpa: Antisemitische Angriffe in Europa — Spur zum Iran?
  • Euronews (de.euronews.com): Zehn Jahre nach den Anschlägen in Brüssel: Belgien gedenkt der Opfer
  • mena-watch.com: Lüttich: Terroranschlag auf Synagoge in Belgien
  • gamereactor.de: Belgien setzt Soldaten ein, um jüdische Stätten zu schützen

Credits: Von SGT. G. D. ROBINSON – http://www.dodmedia.osd.mil, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7327984

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