So sollen wir reingelegt werden – die frechsten Werbe-Lügen

So sollen wir reingelegt werden – die frechsten Werbe-Lügen

Oft steckt hinter der glänzenden Verpackung wenig Substanz – darauf macht die Verbraucherorganisation Foodwatch mit ihrer jährlichen Auszeichnung „Goldener Windbeutel“ aufmerksam, einem Negativpreis für besonders dreiste Werbelügen der Lebensmittelbranche. Auch die österreichische Marke Pfanner ist mit einem ganz besonderen Eistee nominiert – und ein Schokoriegel, der Menstruationsbeschwerden lindern soll.

Für 2025 stehen erneut fünf Produkte zur öffentlichen Abstimmung. Bis zum 13. Juli können Konsumenten auf der Website von Foodwatch wählen, welches Produkt in diesem Jahr den unrühmlichen Titel verdient hat.

„Irreführung im Supermarkt ist kein Ausrutscher, sondern ein Geschäftsmodell“, sagt Rebekka Siegmann von Foodwatch. Sie fordert die Politik auf, endlich konsequent gegen Verbrauchertäuschung vorzugehen. Bisher fehle dafür der politische Wille.

Die fünf Nominierten für den Goldenen Windbeutel 2025

1. DirTea Glow (Dirtea GmbH)
Mit einem vermeintlich hautverschönernden Eistee tritt Rapperin Shirin David gemeinsam mit Hersteller Pfanner an. Der „Glow“ für Haut und Nägel soll laut Verpackung durch Zink und Biotin entstehen. Doch laut Foodwatch steckt hinter dem Marketingtrick vor allem eins: Zucker – und zwar nicht zu knapp. Die Organisation zitiert Hautärztin Yael Adler: „Freier Zucker schädigt direkt die Haut und das Bindegewebe.“ Ein gesundheitsförderndes Image bei gleichzeitig hohem Zuckergehalt sei irreführend.

2. MenstruChocbar (InnoNature GmbH)
Ein kleiner Schokoriegel für fast vier Euro, der Menstruationsbeschwerden lindern soll? Das verspricht der sogenannte Menstru Chocbar – mit Eisen, Vitamin B6 und rotem Maca. Foodwatch kritisiert: Für die behauptete Wirkung gibt es keine wissenschaftlich belegten Nachweise. Zudem sei der Preis von 3,90 € pro 38-Gramm-Riegel eine „unverhältnismäßige Abzocke“.

3. Milka Alpenmilch (Mondelez)
Ein klassisches Beispiel für „Shrinkflation“: Während der Preis der Milka-Schokolade von 1,49 € auf 1,99 € stieg, wurde gleichzeitig der Inhalt der Tafel von 100 auf 90 Gramm reduziert. Für Konsument:innen bedeutet das laut Foodwatch eine versteckte Preiserhöhung von rund 48 Prozent – bei gleichbleibendem Verpackungsdesign. Das sei ein klarer Fall von Verbrauchertäuschung.

4. Norwegischer Räucherlachs (Fish Tales)
Der Fischproduzent wirbt mit „nachhaltiger, umweltgerechter Zucht“ und verspricht Transparenz durch Rückverfolgung bis zur Zuchtfarm. Doch auf Nachfrage verweigert das Unternehmen laut Foodwatch konkrete Angaben zur Herkunft. Stattdessen wird auf Grieg Seafood verwiesen – einen Konzern, gegen den Tierschutzvorwürfe erhoben wurden. Für die Verbraucherorganisation ist das ein klassischer Fall von Greenwashing.

5. Rama (Flora Food Group)
„100 % natürliche Zutaten“ verspricht die Margarine-Marke Rama auf ihrer Verpackung. Doch Foodwatch fand zahlreiche Zusatzstoffe und industriell verarbeitete Zutaten – etwa Emulgatoren, Säureregulatoren und Vitamine, die synthetisch zugesetzt werden. Damit sei das Produkt alles andere als natürlich.


Foodwatch fordert politische Konsequenzen

Die Verbraucherorganisation sieht im Goldenen Windbeutel nicht nur eine Warnung an Kundinnen und Kunden, sondern auch einen Appell an die Politik: Täuschende Werbung müsse konsequent sanktioniert werden – mit klaren Regeln, hohen Bußgeldern und besserem Schutz für Verbraucherrechte. „Diese Bundesregierung hat die Chance, sich klar gegen Werbelügen zu positionieren“, so Rebekka Siegmann.

Mehr Informationen und Abstimmung unter: www.goldener-windbeutel.de

Credit: DirTea

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