Skandal um Porno-Plattform: Italiens Politikerinnen schlagen zurück

Skandal um Porno-Plattform: Italiens Politikerinnen schlagen zurück

Ein schwerwiegender Skandal erschüttert Italien: Auf der pornografischen Plattform „Phica.eu“ wurden ohne Einverständnis manipulierte und gestohlene Fotos prominenter Frauen veröffentlicht. Betroffen sind Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, ihre Schwester Arianna Meloni, Oppositionschefin Elly Schlein sowie weitere hochrangige Politikerinnen.

Die italienische Datenschutzbehörde hat nun eingegriffen und ruft betroffene Frauen auf, die Fälle zu melden. „Wir sind seit Langem an vorderster Front im Einsatz, um die Würde der Menschen zu verteidigen“, erklärte die Vizepräsidentin der Behörde, Ginevra Cerrina Ferroni, wie die Salzburger Nachrichten berichten.

Dutzende Anzeigen bereits erstattet

Laut Medienberichten wurden bereits Dutzende Anzeigen gegen die Plattform erstattet. Die Bilder stammten größtenteils aus sozialen Netzwerken und wurden oft manipuliert, um die Frauen in pornografischen Situationen darzustellen. Begleitet wurden diese von „obszönen Kommentaren“ und teils sogar Gewaltandrohungen.

„Ich bin angewidert von dem, was geschehen ist, und möchte meine Solidarität und Nähe allen Frauen ausdrücken, die von den Betreibern dieses Forums und seinen ‚Nutzern‘ beleidigt, beschimpft und in ihrer Intimsphäre verletzt wurden“, erklärte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni gegenüber Rai News.

Systematischer Missbrauch seit 20 Jahren

Die Plattform „Phica.eu“ – deren Name einem vulgären italienischen Slang-Ausdruck für die Vagina entspricht – existiert bereits seit 2005 und zählt über 200.000 registrierte Nutzer, wie italienische Medien berichten. Besonders verstörend: Die Seite verfügte über eigene Rubriken für Frauen aus verschiedenen Gemeinden und sogar spezielle Bereiche für einzelne Politikerinnen.

Die sozialdemokratische EU-Abgeordnete Alessandra Moretti machte den Fall öffentlich, nachdem sie entdeckt hatte, dass ihre Bilder jahrelang missbraucht wurden. „Ich habe Strafanzeige gegen die Plattform erstattet, nachdem ich herausgefunden hatte, dass dort seit Jahren Fotos und Clips von meinen TV-Auftritten gestohlen, bearbeitet und mit Tausenden Nutzern geteilt wurden“, erklärte sie laut der österreichischen Presse.

Betreiber offenbar Italiener – Ermittlungen laufen

Obwohl die Seite offiziell mit einer bulgarischen Firma verbunden ist, soll der tatsächliche Betreiber ein Italiener sein, was die Ermittlungen erleichtern könnte, wie italienische Medien berichten. Die Polizei gegen Cyberkriminalität hat bereits Ermittlungen aufgenommen und untersucht den Fall in mehrere Richtungen.

Besonders brisant: Experten zufolge war es auf der Plattform möglich, Zugang zu „privaten Räumen“ zu erhalten, in denen Dateien mit intimen Inhalten ausgetauscht wurden.

Öffentlicher Druck führt zur Schließung

Aufgrund des massiven öffentlichen Drucks kündigten die Administratoren der Webseite an, diese zu schließen und sämtliche Inhalte zu entfernen. Betroffene wurden aufgefordert, Links zu den entsprechenden Bildern per E-Mail zu melden.

„Es ist beschämend, dass im Jahr 2025 noch immer Menschen glauben, es sei normal und legitim, die Würde einer Frau mit sexistischen und vulgären Beleidigungen mit Füßen zu treten“, betonte Meloni im „Corriere della Sera“. Sie verwies darauf, dass die Verbreitung intimer Inhalte ohne Einwilligung als „Revenge Porn“ strafbar sei.

Weitere prominente Opfer

Neben den Spitzenpolitikerinnen waren auch Tourismusministerin Daniela Santanchè, Universitätsministerin Anna Maria Bernini sowie mehrere Ex-Ministerinnen betroffen. Die ehemalige Abgeordnete Alessia Morani kündigte rechtliche Schritte an: „Die Seite hat ohne meine Zustimmung Bilder von meinen sozialen Netzwerken genommen, unter denen obszöne und inakzeptable Kommentare stehen, die meine Würde als Frau verletzen.“

Warnung vor digitalem Missbrauch

Der Skandal verdeutlicht die Gefahr des digitalen Missbrauchs. „Ein Inhalt, den man für harmlos hält, kann in den falschen Händen zu einer furchtbaren Waffe werden“, warnte Meloni. Die italienische Justiz arbeitet nun daran, den Zugang zu Servern und Dienstanbietern einzuschränken, um zukünftige Fälle von Bilddiebstahl und sexistischer Verbreitung zu verhindern.

Der Fall reiht sich ein in eine Serie ähnlicher Vorfälle: Erst vergangene Woche hatte der Meta-Konzern die Facebook-Gruppe „Mia Moglie“ (meine Ehefrau) entfernt, nachdem bekannt wurde, dass rund 30.000 italienische Männer ohne Zustimmung intime Fotos ihrer Ehefrauen oder Partnerinnen gepostet hatten.

Credits: APA

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