In Europas diplomatischen Kreisen ist der Skandalfall des österreichischen Botschafters, der jahrelang auch aus seinem Büro in Brüssel einen frauenfeindlichen Sado-Maso-Blog betrieb, das Tagesgespräch: Österreichs Ruf wird durch diese Staatsaffäre massiv belastet. Und die Außenministerin (NEOS) bleibt dazu auf Tauchstation – obwohl wichtige Fragen zu beantworten wären.
Die österreichische Investigativ-Plattform Fass ohne Boden (FoB) hat diesen unfassbaren Skandalfall in Österreichs Beamten-Aristokratie aufgedeckt: Ein Botschafter Österreichs bei der EU in Brüssel, vormals Kabinettschef von zwei Bundeskanzlern und damit im engsten Kreis der ÖVP-Spitze, hatte offenbar zu viel Tagesfreizeit und betrieb über Jahre einen Sex-Blog im Web – mit Vergewaltigungs-Fantasien und frauenfeindlichen Texten.
Und noch etwas deckte Alexander Surowiec, der Herausgeber von Fass ohne Boden, auf: Die Sado-Maso-Hobbytätigkeit des Spitzenbeamten war im Außenministerium bereits seit langem bekannt, trotzdem wurde der Botschafter weder dazu befragt, noch sofort von seinem Job abberufen. „Das System hat versagt: digital, moralisch und politisch. Im Lichte der sadomasochistischen Blogaktivitäten eines Botschafters und dem massenhaften Auftauchen diplomatischer Konten in kriminellen Datenpools ist klar: Das Problem ist kein Einzelfall. Es ist ein Systemfehler“, analysiert dazu Alexander Surowiec.
Psychosexuelle Abhängigkeiten
Dass die Vorgesetzten des Spitzenbeamten – zwei Kanzler und zwei Außenminister – nie Maßnahmen setzten, legt den Verdacht nahe, dass die vulgäre Nebentätigkeit des ÖVP-Manns durchaus toleriert worden sein könnte: Der Beamte war zu nahe an der Spitze der Macht, vielleicht weiß auch er so einiges, was die Öffentlichkeit besser nicht erfahren sollte. Und exxtra24 bekam den Hinweis, dass der Sado-Maso-Botschafter auch Mitglied eines einflussreichen Männerclubs sein könnte. Dazu ist in Fass ohne Boden zu lesen: „Wenn psychosexuelle Abhängigkeiten zur Karrierevoraussetzung werden, ist der Rechtsstaat in Gefahr. Denn Macht, die sich nicht mehr auf dem Dienstweg kontrollieren lässt, verkehrt sich ins Gegenteil: Sie schützt nicht mehr, sie beherrscht.“
In einer funktionierenden westeuropäischen Demokratie würde nun die Außenministerin zu einem Mediengespräch einladen, in dem unabhängige Journalisten Fragen zu diesem Fall stellen dürfen: Etwa, warum der Botschafter nicht dienstfrei gestellt worden ist, als die ersten Verdachtsmomente bekannt geworden sind. Und: Ob der Verfassungsschutz mit der Hilfe von Cybersecurity-Experten nun erheben wird, ob der Botschafter – vermutlich sogar unabsichtlich – das Sicherheitsleck verursacht hat, das einen Hacker-Angriff 2020 auf das Außenministerium möglich gemacht hat – immerhin ist dadurch ein Millionenschaden für den Steuerzahler entstanden.
Natürlich müssten auch einige Fragen von der ÖVP-Spitze zu diesem Fall beantwortet werden – aber daraus wird wohl nichts.

Müsste nun handeln und viele Fragen zum Skandalfall in ihrem Ministerium beantworten: Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS)
Credits: APA
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