Selenskyj schlägt direkte Gespräche vor. Putin antwortet mit alten Forderungen und gibt sich siegesgewiss. Der Austausch zeigt: Beide Seiten signalisieren Gesprächsbereitschaft — aber die Positionen sind unvereinbar wie eh und je.
Selenskyjs Angebot — und was er dafür verlangt
In einem offenen Brief schlug der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Putin direkte Friedensgespräche in einem Drittstaat vor — Schweiz, Türkei oder ein arabisches Land. Als ersten Schritt forderte er laut oe24.at eine Waffenruhe entlang der aktuellen Frontlinie, überwacht von den USA. Daran soll ein Gefangenenaustausch „aller gegen alle“ sowie die Rückkehr verschleppter Kinder folgen. Als Garanten will Selenskyj Europa und die USA am Tisch haben.
Den psychologischen Kern des Briefes bildete eine Warnung: „Wenn Russland müde wird, steht Wandel bevor. Wir können diese Müdigkeit befördern. Und Sie können Ihren Krieg stoppen“, schrieb Selenskyj laut oe24.at.
Putins Antwort: Moskau oder gar nicht
Die Antwort aus dem Kreml war so vorhersehbar wie unmissverständlich. Putin erneuerte laut oe24.at sein Angebot für Verhandlungen in Moskau — genau jenen Ort, den Selenskyj ausdrücklich ausgeschlossen hatte — und bestand auf voller russischer Kontrolle über die Gebiete Donezk und Luhansk als Friedensvoraussetzung. Inhaltlich ging der Kreml auf den Brief nicht ein.
Am Rande des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg gab sich Putin siegesgewiss. Er behauptete laut oe24.at, Russlands Armee verbuche auf ganzer Front Gebietsgewinne und habe die Oberhand. Die von ihm genannte Zahl von 2.440 gewonnenen Quadratkilometern seit Jahresbeginn liegt allerdings nach Berechnungen ukrainischer Militärbeobachter, wie oe24.at berichtet, weit über der realen Zahl von knapp 700 Quadratkilometern.
Schröder als Vermittler — und was das über Putin verrät
Bemerkenswert war Putins Aussage zu möglichen Vermittlern. Als neutrale „Leute, denen man vertrauen kann“, nannte er laut oe24.at unter anderem Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder — ein Vorschlag, der in Deutschland für Empörung sorgte. Putin zeigte sich darüber verwundert: Schröder verteidige deutsche Interessen und habe eigene Positionen. Deutschland und Europa seien wegen der Waffenlieferungen an die Ukraine nicht neutral.
Den EU-Beitritt der Ukraine kommentierte Putin überraschend gelassen: Gegen eine wirtschaftliche Integration habe Russland nichts. „Wir sind dagegen, dass sich die EU in einen Militärblock verwandelt“, sagte er laut oe24.at. Das ist eine klare Trennlinie: Wirtschaft ja, Sicherheitsarchitektur nein.
NATO-Angriff „Unsinn“ — aber die Geschichte mahnt zur Skepsis
Putin wies Warnungen vor einem russischen Angriff auf NATO-Gebiet als „Unsinn“ und „bewusste Provokation“ zurück. Das Ziel sei, die eigene Bevölkerung zu mehr Rüstungsausgaben zu zwingen. Wie oe24.at in seiner Einordnung festhält, hatte Putin auch vor dem Einmarsch in die Ukraine 2022 versichert, keinen Krieg zu planen — und auch bei der Annexion der Krim 2014 griff der Kreml zu Täuschungsmanövern. Seine Beteuerungen haben im Westen entsprechend wenig Kredit.
Was der Briefwechsel wirklich bedeutet
Der Austausch ist weniger ein Schritt in Richtung Frieden als ein öffentliches Positionierungsspiel. Selenskyj demonstriert Gesprächsbereitschaft — auf Bedingungen, die Russland nicht akzeptieren wird. Putin demonstriert Stärke — auf einem Forum, bei dem er gleichzeitig wirtschaftliche Probleme im eigenen Land kleinreden muss. US-Präsident Trump begrüßte laut oe24.at ein mögliches Treffen zwischen beiden als „großartig“ — ohne konkrete Schritte zu nennen.
Solange Russland auf vollständiger Kontrolle des Donbass besteht und die Ukraine das ablehnt, ist jedes Gesprächsangebot Rhetorik. Der Krieg geht weiter.
Credits: Von Kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123219163
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