Es ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte Oberösterreichs: Google errichtet in Kronstorf sein erstes Datencenter in Österreich. Während die Landespolitik darin eine riesige Chance sieht, sorgen der gewaltige Strom- und Wasserbedarf, die Abwärme sowie mögliche Umweltauswirkungen für anhaltende öffentliche Diskussionen. Nun hat das Land reagiert und einen umfangreichen Fragen-und-Antworten-Katalog veröffentlicht.
„Meilenstein für Oberösterreich“
Der auf der Website des Landes veröffentlichte FAQ-Katalog soll „kompakt und transparent“ über das Projekt, die Genehmigungsverfahren und mögliche Auswirkungen informieren. „Der Google-Standort ist ein Meilenstein für Oberösterreich und die größte Einzelinvestition in der Geschichte unseres Landes“, erklärt Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP). Man wolle deshalb umfassend darstellen, „was geplant ist, welche Verfahren gelten und welche Auswirkungen geprüft werden“. Das Land hebt in seinen FAQ vor allem die erwarteten Vorteile hervor: Die Rede ist von einem „Vertrauensbeweis“ in den Standort, von hochwertigen Arbeitsplätzen sowie möglichen positiven Impulsen für Wirtschaft, Forschung und Bildung – auch regionale Unternehmen und junge Fachkräfte könnten demnach profitieren.
Positionen von Kritikern fehlen im Katalog
Bemerkenswert ist dabei, was in dem Dokument fehlt: Die Positionen von Bürgerinitiativen oder kritischen Stimmen aus der Politik werden in den FAQ nicht angeführt. Konkrete Fragen zu Stromverbrauch, Wasserbedarf, Bodenversiegelung und der nicht erforderlichen Umweltverträglichkeitsprüfung greift das Land jedoch auf und beantwortet sie aus eigener Sicht.
Energiebedarf: Land verweist auf Effizienz und CO2-freien Betrieb
Das Land räumt in seinem Katalog ein, dass Rechenzentren grundsätzlich viel Energie benötigen. Gleichzeitig verweist man auf die Effizienz moderner Anlagen sowie auf Googles eigene Pläne für einen langfristig CO₂-freien Betrieb. Auch für die allgemeine Stromversorgung Österreichs sieht das Land unter Berufung auf die Regulierungsbehörde E-Control sowie den Übertragungsnetzbetreiber APG kein Problem.
15,2 Millionen Liter Wasser pro Tag im Vollausbau
Beim Wasserverbrauch nennt der FAQ-Katalog eine durchaus gewaltige Zahl: Im möglichen Vollausbau dürfen täglich bis zu 15.200 Kubikmeter – also 15,2 Millionen Liter – entnommen werden. Die tatsächlich erwartete Menge in der ersten Ausbauphase liege laut Land allerdings „weit unter“ diesem Höchstwert. Die für die Kühlung genutzte Enns würde sich nach vollständiger Durchmischung um etwa 0,01 Grad erwärmen, heißt es weiter.
Keine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig
Auch die immer wieder gestellte Frage nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) beantwortet das Land in seinem Katalog: Bereits 2020 sei rechtskräftig festgestellt worden, dass keine UVP notwendig sei. Grund dafür ist, dass die erwartete Kühlwassermenge unter dem dafür maßgeblichen Schwellenwert liegt.
Ein Streit, der weiterläuft
Mit dem nun veröffentlichten Fragenkatalog liefert das Land zwar umfassende Antworten zu technischen und rechtlichen Details des Projekts – die grundsätzliche Kritik von Bürgerinitiativen und Teilen der Oppositionspolitik an dem Großprojekt dürfte durch die einseitig auf Landesargumente ausgerichtete FAQ-Seite aber kaum verstummen.
Neueste Kommentare