Selenskyj kündigt Heeresreform an: Mehr Sold, weniger Zwangsrekrutierung

Selenskyj kündigt Heeresreform an: Mehr Sold, weniger Zwangsrekrutierung

Mitten im Krieg gegen Russland hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj grundlegende Reformen für seine Armee angekündigt. Mehr Geld für Soldaten, begrenzte Dienstzeiten und ein Ende der umstrittenen Zwangsmobilisierungen stehen auf dem Programm. Hintergrund ist wachsender Unmut an der Front.

Solderhöhungen sollen ab Juni greifen

Über den Kurznachrichtendienst Telegram teilte Selenskyj laut orf.at mit, er habe die Aufgabe gestellt, die Soldzahlungen „spürbar zu erhöhen“. Für Soldaten im Hinterland soll der monatliche Sold um fast 50 Prozent auf knapp 400 Euro steigen. Für Infanteristen an vorderster Front stellte Selenskyj sogar mehr als eine Verdreifachung der bisherigen Frontzuschläge von etwas über 1.900 Euro in Aussicht. Wie der Kyiv Independent berichtet, sollen die Solderhöhungen bereits im Juni beginnen. Die Armee wurde angewiesen, nächste Woche erste konkrete Umsetzungsschritte vorzulegen.

Offen bleibt, wie die erhöhten Ausgaben finanziert werden sollen. Selenskyj äußerte sich dazu nicht konkret. Im April hatte die Europäische Union allerdings einen Kredit über 90 Milliarden Euro freigegeben — Medienberichten zufolge kann Kiew damit erstmals direkt die Armee finanzieren.

Zwangsrekrutierungen sollen enden — Videos erzählen anderes

Ein zentraler Punkt der Reform ist das Bekenntnis zur Freiwilligkeit. Bereits seit Jänner hatte Selenskyj Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow beauftragt, die sogenannten „Bussifizierungen“ — Zwangsrekrutierungen, bei denen Männer von der Straße oder aus Bussen heraus für den Militärdienst aufgegriffen werden — zu beenden. Wie orf.at festhält, kursieren in sozialen Netzwerken aber weiterhin täglich neue Videos solcher Vorfälle. Ein Großteil der so Mobilisierten desertiere laut Medienberichten umgehend. Offizielle Zahlen zur Fahnenflucht werden seit Herbst 2025 nicht mehr veröffentlicht.

Teil des Reformpakets ist zudem die Einführung befristeter Verträge: Bereits eingezogene Soldaten sollen noch in diesem Jahr schrittweise aus dem Wehrdienst ausscheiden können. Armeechef Oleksandr Syrskyj hatte bereits am Donnerstag verpflichtende Truppenrotationen angekündigt — nachdem bekanntgeworden war, dass Soldaten an der vordersten Frontlinie teils mehr als 100 Tage ohne Unterbrechung in den Schützengräben ausharren müssen.

Verstärkte Luftabwehr für Odessa und Dnipro

Neben der Heeresreform kündigte Selenskyj in einer Videoansprache auch eine Verstärkung der Flugabwehr für die Städte Dnipro und Odessa an. Für Dnipro, das vergangene Woche besonders intensiv mit Raketen und Drohnen angegriffen worden war, seien zusätzliche Radare, elektronische Störsysteme und Mannschaften geplant, so Selenskyj laut orf.at. Auch für Odessa gebe es Lösungen — die Abschussquote steige bereits, müsse aber „noch höher“ sein.

Credits: APA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest
0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
Inline-Rückmeldungen
Alle Kommentare anzeigen
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x